Zum Auftaktspiel Deutschland – Kanada der Fußball-WM der Frauen wurde ich von der Deutschen Bahn zum "Viewing" in den "Bahntower" eingeladen. Auf die Aussichtsterrasse des 26. Stocks, hoch über den Dächern von Berlin. Und sogar noch etwas höher als das Mercedes-Hochhaus daneben. Allerdings als Adresse nur Potsdamer Platz 2, während am Potsdamer Platz 1 eben Mercedes residiert. Man könnte fast meinen, dass es damals einen Wettlauf der Eitelkeiten zwischen den Herren Mehdorn und Schrempp gab.

Wie auch immer, im Vorfeld des Spiels unterhielten sich der ehemalige Fußball-Profi Axel Kruse von Hertha BSC und ich über Schach und Fußball. Fazit: Beides gut und in manchem ähnlich (Rasenschach). Gott sei Dank hielt er mir nicht die Befunde des Freiburger Universitätsprofessors Nebel vor, nach denen Fußball viel komplexer sei. Meine Fußballqualifikation stellte ich weniger als meist hoffnungslos überforderter linker Verteidiger der Altherren-Elf von Elsendorf bei Bamberg unter Beweis, sondern durch den richtigen Tipp 2:1 für das Eröffnungsspiel.

War aber gar nicht so schwer, ich musste nur an den 2:1-Sieg des damaligen Schachweltmeisters Kramnik gegen den Fußballtrainer Neururer beim ZDF-Torwandschießen denken, wonach Letzterer sich gar nicht mehr zu seiner Mannschaft zurücktraute, weil er gegen einen Schachspieler verloren hatte.

Apropos Kramnik: Mit welch feinem, kleinen Zug eroberte dieser als Schwarzer bei der Blitzschach-WM in Moskau zwangsläufig den gefesselten Springer von Levon Aronjan?

Lösung aus Nr. 36:
Welche schwarze "Keule" ließ Weiß sofort aufgeben? Nach 1...Tc1! war das Matt nicht mehr zu verhindern. Man sehe: 2.Txc1 Dxe3 matt oder 2.Db4 Dxe3 matt oder 2.Kf2 Dc2+ 3.Te2 Tf1 matt. "Racheschachs" der weißen Dame hätten das Ende nur hinausgezögert