Eines der größten modischen Kunstwerke hat diesen Sommer die Designerin Isabel Marant geschaffen, als sie eine College-Jacke mit rosa Futter präsentierte. Jede Frau, die diese Jacke trägt, wirkt so mädchenhaft und verletzlich, als habe sie das ganze Leben noch vor sich – und gleichzeitig so cool und überlegen, als habe sie im Leben nichts zu befürchten.

Die Jacke von Marant hat viele Nachahmer gefunden. Denn mit den College-Jacken geht es jetzt erst richtig los: Louis Vuitton, Yves Saint Laurent und Moschino präsentierten Lederblousons im College-Stil, auch der Versace-Mann tritt demnächst mit College-Jacke auf. Auf anderen Gebieten mögen die USA im Exportgeschäft ihre Probleme haben – der amerikanische Bildungsanstalts-Blouson jedenfalls ist so beliebt wie nie. Wohlgemerkt handelt es sich bei den aktuellen Designer-Modellen um Zitate. Wer eine richtige College-Jacke haben will, muss auf ein College gehen.

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Denn die wie Bomberjacken geschnittenen College-Jacken sind eigentlich reine Merchandise-Artikel von Hochschulen. Sie werden, versehen mit dem Emblem des jeweiligen Colleges, an die Studenten verkauft. Vor allem demonstrieren diese Kleidungsstücke also Zugehörigkeit. Doch die meisten Studenten rüschen ihre Jacken zusätzlich mit allerlei Wimpeln, Stickern und Memorabilia auf. Es gibt Aufnäher für das Sportteam, in dem man sich engagiert hat. Auch akademische Leistungen können mit kleinen Stickern verewigt werden. Manche Studenten nähen erkämpfte Medaillen auf ihre Jacken, andere bitten im Abschlussjahr ihre Mitschüler um ein wasserfestes Autogramm auf dem Blouson.

Kleidung, die vom Rang ihres Trägers oder von möglichen Heldentaten berichtet, gibt es schon immer. Die Sioux hefteten sich die Skalps ihrer Gegner an. Die Kutte eines Pfadfinders kündet davon, welche Prüfungen im Fährtenlesen er bestanden hat. Am nachhaltigsten wird dieses Prinzip bei klassischen Uniformen angewandt: Orden und Schulterklappen zeigen an, wer man ist und welchen Respekt man verdient. Interessanterweise sind Militärjacken jedoch momentan überhaupt nicht in Mode. Das ließe sich leicht ändern. Es müsste nur jemand eine Uniform mit rosa Futter auf den Markt bringen.