Guten Morgen", sagte James M. Cole, der stellvertretende US-Justizminister, als er am Mittwoch vergangener Woche in Washington vor die Presse trat. Da müssen die Telekom-Manager im rheinischen Bonn schon geahnt haben, dass es alles andere als ein guter Morgen werden würde.

Er wurde sogar richtig schlecht.

Cole teilte mit, dass er soeben eine 25-seitige Klageschrift ans Gericht geschickt habe: Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen AT&T, T-Mobile USA und die Deutsche Telekom, Friedrich-Ebert-Allee, Bonn. Gleich acht Personen haben das Dokument mit dem Vermerk "Kartellsache" unterschrieben, so als ob die Regierung ihre Kräfte bündeln müsste, um einen der größten Firmendeals der Gegenwart zu verhindern : den geplanten Verkauf des amerikanischen Mobilfunkgeschäfts der Telekom an den zweitgrößten US-Kommunikationskonzern, AT&T aus Texas. Das 39 Milliarden Dollar versprechende Prestigeprojekt für René Obermann und seine Vorstandskollegen in der Bonner Firmenzentrale.

"Wir glauben, dass die Verbindung von AT&T und T-Mobile für Millionen von Kunden in den Vereinigten Staaten höhere Preise, weniger Auswahl und schlechtere Qualität für mobile Dienstleistungen bedeutet", argumentierte Cole. Schlimmer hätte es kaum kommen können, doch dann legte auch der Konkurrent Sprint eine Klage ein. Seither grübeln die Konzernstrategen, was man noch tun könne.

Der Schaden für die Deutschen ist bereits jetzt beträchtlich. Seit vergangenen Mittwoch verlor die Telekom mehr als ein Zehntel ihres Börsenwerts. Obermanns Ziel ist gefährdet, den Konzern kleiner und zugleich profitabler zu machen. Und abgesehen davon droht das Justizministerium zudem einen weiteren Plan zu behindern: die groß angelegte Imagepolitur der Telekom in Sachen Arbeitsbedingungen.

Mit Erfolg präsentiert sich die Telekom in der Heimat als Musterkonzern, sie avancierte gar zum Liebling der Politik. Als Erstes der im Aktienindex Dax gelisteten Großunternehmen verpasste sich die Telekom freiwillig eine feste Quote für weibliche Führungskräfte. Im Juli berief der Aufsichtsrat dann tatsächlich zwei Frauen in den Vorstand. Auch beim Umgang mit den Wünschen der Mitarbeiter will man führend sein: Seit Monaten preist die Telekom in Fernsehspots und Printanzeigen ihre Offenheit. Elternzeit und Teilzeitarbeit, Arbeiten von zu Hause aus, bei der Telekom alles kein Problem. Angesichts von Burn-out- Debatten und Angestellten, die Karriere und Familie miteinander vereinbaren wollen, zeigt sich hier ein hochmodernes Unternehmen. Eine Telekom zum Liebhaben.

Für die US-Tochter scheint das nicht zu gelten, und das wirft einen Schatten auf die Selbstdarstellung. Glaubt man nämlich den Gewerkschaften, besitzt T-Mobile in den Vereinigten Staaten ein ähnliches Image wie hierzulande Schlecker. Doch paradoxerweise könnte genau das dafür sorgen, dass der blockierte Deal noch ein Happy End findet.

Im vergangenen Herbst veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch den Report A Strange Case, der die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten bei T-Mobile dokumentierte. Der Autor war Lance Compa, Dozent für Arbeitsrecht an der Cornell University im Bundesstaat New York. Heute sagt Compa: "Das Unternehmen hat sich seither überhaupt nicht geändert. Und jetzt wird wohl auch nichts mehr geschehen, weil alle erst mal den Ausgang des Verfahrens abwarten."