Wam Kat ist sich mit Bertolt Brecht einig, dass erst das Fressen kommt, dann die Moral – der gebürtige Niederländer kocht seit über dreißig Jahren für demonstrierende Umweltschützer. Er findet es unmöglich, dass Menschen, die einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit haben, sich von Knoppers, Toastbrot und Scheiblettenkäse ernähren. Wenn er seine Zeltküche aufbaut, legt er erst mal eine Starkstrom- und eine Wasserleitung, baut aus Lehm einen Ofen und lässt das Ganze von den Behörden überprüfen. Dann macht er sich daran, den jungen Leuten, mit denen er zum Beispiel in der Lausitz campt, um ein CO₂-Endlager zu verhindern, beizubringen, was eine Mahlzeit ist: ein Essen, das an einem Tisch sitzend mithilfe von Besteck zu bestimmten Zeiten eingenommen wird. Das wissen die oft nicht, sagt Wam Kat, weil sie sehr jung sind, in WGs wohnen und nur an den großen Fragen (Was will der Kapitalismus?) interessiert sind.

Für uns röstet Wam Kat, längst in Deutschland heimisch, einen Kürbis, den er, während der Polizeihubschrauber über ihm kreist, mit Chili und Fenchel aromatisiert. Weitere Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung stehen in seinem Kochbuch (bei Orange Press erschienen).

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Den Kürbis waschen, nicht schälen. Halbieren, Fasern und Kerne entfernen, den Kürbis in 1 cm dicke Schnitze schneiden. Olivenöl, Chilipulver, Salz und Pfeffer verrühren, Fenchelsamen dazugeben. Kürbis mit der Marinade einreiben oder alles zusammen in einer Schüssel vermengen, sodass die Schnitze von allen Seiten ölig sind. Auf ein Backblech legen, für 12 bis 15 Minuten bei 200 Grad in den Ofen geben.

Wam Kat ist Veganer und war immer Vegetarier. Noch nie hat er Huhn gegessen. Er könne sich aber vorstellen, wie es schmeckt, seit ihm Aborigines, mit denen er eine australische Wüste durchwanderte, eine Schlange grillten. Zum Kürbis serviert er eine vegane Mayonnaise. Dazu wird ½ Tasse Sojamilch mit 1 Tasse Sonnenblumenöl, 1 Teelöffel Senf, Salz und ein paar Esslöffeln Zitronensaft oder Essig in einer hohen Schüssel mit dem Pürierstab oder einem Rührgerät vermengt, bis das Ganze cremig aussieht. Wam Kat, der sich das Kochen selbst beigebracht hat, behauptet, dass viele Restaurantköche heimlich vegane Mayonnaise servieren, weil sie günstiger ist und man den Unterschied zur echten Mayonnaise nicht schmeckt. Wer kein Veganer ist und nicht gerade in der Lausitz campt, kann zum Kürbis auch edlen Burrata essen, diesen schön cremigen Käse aus Italien.

Gerösteter Kürbis mit Chili und Fenchelsamen (für 4 Personen)

1 mittelgroßer Hokkaidokürbis
6 EL Olivenöl
1 Messerspitze Chilipulver
Salz, Pfeffer
1 TL Fenchelsamen