Ich gebe es zu, ich fahre gerne SUVs. Ich mag die hohe Sitzposition, sie gibt mir das Gefühl, Herr der Verkehrslage zu sein, und wirkt sich beruhigend auf meine Fahrweise aus. Gelassen gewähre ich Rasern den Vortritt, surre unter Einhaltung aller Tempolimits durch die Stadt und übers Land. Ich nehme an, dieser beruhigende Komfort ist der Grund, warum die hochbeinigen Offroader auch bei den jungen Müttern in den Besserverdienervierteln der Großstädte so beliebt sind. Die Hersteller tragen dem Rechnung, indem sie kompakte SUV-Modelle anbieten, die auf Kuhfänger, außen montierte Ersatzräder und anderes Safari-Gepränge verzichten, selbst der Allradantrieb ist optional. "Schön zu wissen, man könnte", wirbt VW für den neuen Tiguan – aber man will ja eigentlich gar nicht.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Doch SUVs gelten als Spritfresser. Und weil mein alter Schweden-Kombi aufgrund seines Verbrauchs nun wirklich sein links-alternatives Image nicht mehr verdient, soll der nächste Wagen deutlich weniger schlucken. Kommt der Tiguan infrage, den VW gerade einem eher kosmetischen Facelift unterzogen hat? Das Testmodell hat einen Zweiliter-Benzinmotor, der laut der stets unrealistischen Norm achteinhalb Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Der Wagen ist mit allerlei technischen Extras ausgestattet, die den Preis deutlich über die 40.000-Euro-Marke klettern lassen. Aber ich mag solche elektronischen Helferlein und lese brav die Betriebsanleitung, um mir erklären zu lassen, dass das "Lane Assist"-System die weißen Markierungen auf der Straße erkennt und in die Lenkung eingreift, sobald man die Spur zu verlassen droht. Tatsächlich klebt der Wagen in langgezogenen Autobahnkurven auch bei Nacht und Regen magisch an der Seitenlinie – bis der Fahrer mit einem Warnton aufgefordert wird, doch bitte die Lenkung wieder selbst zu übernehmen.

Wenn man allerdings das Gepäck fürs Ostsee-Wochenende einlädt, stellt man fest, dass es sich bei diesem Wagen eben doch nur um einen höhergelegten Golf handelt und der Kofferraum mit dem zusammengeklappten Kinderwagen schon fast voll ist. Und die Ernüchterung kommt beim Tanken: Die Gesetze der Aerodynamik gelten auch für den Tiguan, die hohe Karosse verlangt bei zügiger Fahrt nach über 11 Litern Sprit auf 100 Kilometer. Schade, noch gibt es kein richtiges SUV-Leben im falschen.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 132 kW (180 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 204 km/h
CO2-Emission: 199 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,5 Liter
Basispreis: 30.475 Euro

Christoph Drösser ist Redakteur im ZEIT-Ressort Wissen