Noch ehe an der Uni die erste Vorlesung beginnt, steht Nils Hagenbrock in Wanderstiefeln, Arbeitshose und Holzfällerhemd am Waldrand bei Detmold-Berlebeck. Eine halbe Stunde lang geht der 26 Jahre alte Student aus Paderborn bergauf und erreicht schließlich um kurz vor 8 Uhr schwer atmend das Basislager: fünf Baucontainer, die unterhalb der Bergkuppe stehen.

Hier befinden sich Pausenräume, Büro und Materiallager der neunköpfigen Grabungsmannschaft, die im Auftrag des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe die Ruine der Falkenburg freilegen. Zwischen Mai und Oktober arbeitet Nils Hagenbrock zwei bis drei Tage die Woche als studentischer Grabungshelfer. "Am Studium stört mich, dass man immer nur vor Büchern sitzt", sagt Hagenbrock, der Geschichte, Englisch und Deutsch auf Lehramt studiert. "Hier kann ich anpacken und Geschichte erleben."

In ganz Deutschland sind Studenten auf Burgen, in Klöstern, ländlichen Siedlungen und historischen Stadtkernen im Dienste der Archäologie unterwegs, und keinesfalls sind sie immer vom Fach. Nur schätzungsweise zehn Prozent der Grabungshelfer studieren Archäologie. Auf der Falkenburg haben schon Wirtschaftsinformatiker, Innenarchitekten und Musikwissenschaftler mitgearbeitet, sowohl Frauen als auch Männer. Die Stellen werden über die studentische Jobbörse ausgeschrieben. Während es bei Grabungen in Stadtkernen genug Bewerber gebe, würden Grabungshelfer "im Outback" dringend gesucht, sagt Ausgrabungsleiter Thomas Pogarell.

Nils Hagenbrock nimmt sich Werkzeug und einen Eimer für Fundstücke und geht die letzten Meter zur sandsteinfarbenen Ruine hinauf. Als die Ausgrabung 2005 begann, ragten nur noch ein Stumpf des Bergfrieds und eine Mauerecke aus dem Boden, der Burghof war drei Meter hoch von Schutt bedeckt, überall wuchsen Bäume. Inzwischen ist ein Teil von Bergfried und Ringmauer aus Originalsteinen wieder aufgebaut, der Burghof freigeräumt, man sieht Mauerteile von Gebäuden und Toranlagen. Am Ende der Sanierung soll die komplette Burg an ihren Grundmauern erkennbar sein, neu errichtet wird sie aber nicht. Die Bäume wurden gefällt, sodass man nun wieder weit über den Teutoburger Wald blickt, bis hin zum Hermannsdenkmal, wo eine Statue des germanischen Feldherrn Arminius auf ihrem Sockel steht.

Doch Nils Hagenbrock hat nur Augen für den Boden, als er an der Ringmauer entlang zu seiner Ausgrabungsstelle geht. "Wenn man hier einmal etwas entdeckt hat, denkt man nur noch: Wo ist der nächste Fund? Es hat mich gepackt!" Seine bisher größte Entdeckung war ein Mühlstein, groß wie eine Sahnetorte. Gestern hat er einen Kamm aus Knochen, eine Haarnadel und – er greift in seinen Fundeimer und hält sie stolz in die Luft – eine 600 Jahre alte Tonscherbe gefunden.

Auch Lanzenspitzen, Dolche, Kanonenkugeln, Spielzeugpferde und Geschirr für Puppenstuben, Sporen und ein halbes Hufeisen haben die Archäologen hier schon aus dem Boden geholt. Sie werden damit mindestens acht Vitrinen im Lippischen Landesmuseum in Detmold füllen, wenn dort am 16. Dezember die erste Ausstellung über die Falkenburg eröffnet wird. "Du weißt, was uns noch fehlt", sagt Thomas Pogarell zu seinem Grabungshelfer: "Ein Schwert oder ein Helm – bitte!"