Die Käsetheke – Aus Milch kann erst Käse werden, wenn das Milcheiweiß aus der restlichen Flüssigkeit ausfällt. Dieser künstlichen Verdauung half man früher mit natürlichen Verdauungssäften auf die Sprünge, mit dem Magensaft von Kälbern (Lab) , der das Enzym Chymosin enthält. Inzwischen wird dieses überwiegend synthetisch erzeugt, und zwar mithilfe genetisch veränderter Mikroben.

Daher kauft der Verbraucher bei nahezu jeder beliebigen Sorte fast jedes Herstellers ein Lebensmittel, das indirekt mithilfe von Gentechnik entstanden ist. Die Herstellung von Enzymen, Emulgatoren und ähnlichen Hilfsstoffen im Bioreaktor wird auch "weiße Gentechnik" genannt. Denn die Substanzen entstehen als Stoffwechselprodukte von Mikroben, die genetisch verändert worden sind. Erzeugen sie einen Lab-Ersatz, ist dieser chemisch rein und nicht vom Naturprodukt unterscheidbar. Auf dem Etikett steht meistens nicht, was eine Käserei benutzt hat. Als Produktionshilfsstoff muss Lab nicht in der Zutatenliste auftauchen. Diese Stoffe stammen auch bei anderen Lebensmitteln – vor allem industriell erzeugten – oft aus weißer Gentechnik (siehe unten: die Getränkeecke ).

Klarheit herrscht an der Käsetheke nur bei Biokäse. Bei dessen Herstellung sind gentechnische Hilfen verboten.

Die Fleischtheke – Beim Kauf von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch springt bei manchen Verpackungen wie auch bei Milchprodukten das Siegel "Ohne Gentechnik" ins Auge. Mit diesem Etikett wollte die Bundesregierung mehr Transparenz schaffen, doch die Kennzeichnung ist umstritten, weil sie Ausnahmen zulässt: So dürfen Rinder bis zu 12 Monate vor ihrer Schlachtung mit transgenen Pflanzen gefüttert werden. Bei Schweinefleisch sind es vier Monate, bei Hähnchen zehn Wochen Karenzzeit.

Jederzeit dürfen Fleisch-, Milch- und Eierlieferanten zudem Zusatzstoffe ins Futter mischen , die aus dem Bioreaktor stammen, um Ernährungsmängel bei der Mast auszugleichen. Zufällige Verunreinigungen des Futters mit zugelassenen und als sicher befundenen Gentechniksorten, etwa mit importierter Soja, werden bis zu einer gesetzlich festgelegten Grenze von 0,9 Prozent toleriert. Hinzu kommt, dass alle Nutztiere mit gentechnisch erzeugten Medikamenten und Impfstoffen fit gehalten werden dürfen. Somit können an der Fleischtheke und im Milchregal nicht nur die grüne und die weiße, sondern auch die "rote Gentechnik" vertreten sein.

Das Regal mit den Konserven – Im nächsten Gang stapeln sich Dosen, Tüten und Pappschachteln. Zu den Klassikern wie Ravioli in Tomatensoße, Eintopf oder Thai-Suppe kommen unzählige Fertiggerichte ( convenience food ). Eine Viertelmillion verschiedener Produkte stehen in deutschen Lebensmittelgeschäften, jedes Jahr kommen Zehntausende hinzu – eines raffinierter als das andere. Auch hier kann die Gentechnik beteiligt sein, etwa in Form von Sojaprodukten.

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Soja ist weltweit die wichtigste Öl- und Eiweißpflanze. Rund zwei Drittel der global angebauten Bohnen sind gentechnisch verändert (gv), um sie gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent zu machen. Ein Großteil der Rohstoffe wird als Tierfutter verarbeitet, doch gv-Soja findet sich auch in zahlreichen Lebensmitteln, wie etwa der Thai-Suppe. Denn Soja ist Quelle zahlreicher Zwischenstoffe. So finden sich in unserer Konserve zum Beispiel Sojaeiweiße und Lecithine. Beides sind gute Emulgatoren, binden also Wasser und Fette. Die Proteine können zudem als Grundstoff für Aromen dienen. Meist hilft ein Blick auf das Etikett: Pflanzliche Eiweißerzeugnisse, Öle, Fette oder Lecithin aus gentechnisch veränderten Sojabohnen müssen nämlich gekennzeichnet werden.

Dennoch bleibt Spielraum für Ungewissheit. Jährlich führt die EU 35 Millionen Tonnen Soja ein, doch eine absolute Trennung zwischen transgenen und anderen Bohnen ist bei der Verarbeitung nicht möglich (in solchen Fällen greift die 0,9-Prozent-Regel). Daher finden sich auch in als "gentechnikfrei" deklarierten Produkten sehr geringe Mengen gentechnisch veränderter Soja – bundesweit. 2008 war bereits gut ein Viertel der Nahrungsmittel betroffen.

Die Getränkeecke – Vom herkömmlichen Saft bis hin zum exotischen Fruchtsaftgetränk, oft wird die Natürlichkeit betont. Doch auch bei ihrer Herstellung kann Gentechnik eingesetzt worden sein. Etwa beim Auspressen der Früchte, wenn mittels Enzymen die Zellwände zerstört werden, um mehr Saft aus Apfel, Traube und Co. herauszupressen. Die Enzyme Pektinase, Cellulase oder Xylanase können allesamt von gentechnisch veränderten Mikroben stammen. Zusätzlich werden Amylasen eingesetzt, um trübe Säfte klar werden zu lassen.