Wenn es nach Ottmar Schneck geht, hat er die weltweite Macht der drei großen Rating-Agenturen gebrochen. Der Dekan der ESB Business School in Reutlingen hat vor neun Jahren seine eigene Agentur gegründet: PSR Rating. Damals hieß sie noch Professor Dr. Schneck Rating, bis der Name zu dem Kürzel PSR verschmolz. Die Agentur ist den wenigsten Menschen in Deutschland ein Begriff, und doch sagt Schneck: "Die Registrierung von PSR Rating ist ein wesentlicher Schritt hin zu dem Ziel der europäischen Politik, das Oligopol der drei internationalen Rating-Agenturen aufzubrechen."

Dieses Ziel gibt es tatsächlich. Formuliert ist es in der EU-Verordnung 1060/2009. In diesem verklausulierten 30-seitigen Dokument aus dem Jahr 2009 steht: Der Ratingmarkt wird in Zukunft reguliert. Wer ein Kreditrating abgeben will, muss registriert sein.

Bis 2009 gab es keine Registrierungspflicht auf europäischer Ebene. Jedes Land hatte seine eigenen Regeln. Die EU-weite Pflicht zur Registrierung kam als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise, insbesondere auf die angeblich zu guten Ratings von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch auf dem US-Immobilienmarkt. In der Europäischen Union sollte die Arbeit der Agenturen transparenter und der Wettbewerb erhöht werden.

Transparenter sind die Agenturen seitdem geworden. Auf ihren Homepages etwa sind viele Details ihrer Arbeit und Methoden veröffentlicht – so verlangt es die Verordnung. Mehr Wettbewerb gibt es aber nicht. Zwar sind mittlerweile zehn Agenturen registriert, sechs davon aus Deutschland. Jüngst wurde die erste portugiesische Agentur zugelassen, Companhia Portugesa de Rating. In den kommenden Monaten dürfte es noch weitere Zulassungen geben, noch sind nicht alle Anträge abgearbeitet. Doch eine ernsthafte Konkurrenz zu den drei Großen dürfte nicht darunter sein. Zu klein und unbedeutend sind die Agenturen bisher. Internationale Investoren verlassen sich weiterhin auf die Ratings von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch.

Mittlerweile wird deshalb über eine neue große europäische Rating-Agentur diskutiert. Doch auch eine solche große Agentur, die ein ernsthaftes Gegengewicht zu den drei Großen sein soll, werde den Amerikanern so schnell nicht die Position streitig machen können, sagen Kritiker wie der Bankenverband. Was allen Agenturen fehlt, ist Zeit, sich zu etablieren. Es braucht Anerkennung, um als Bewerter internationaler Konzerne oder Länder beachtet und beauftragt zu werden. Standard & Poor’s hatte fast 150 Jahre Zeit, sich zu beweisen. Selbst die kleinste der drei Großen, Fitch, hat mehrere Jahrzehnte gebraucht, bis sie in einem Atemzug mit Standard & Poor’s und Moody’s genannt wurde. Und sie hat immer noch einen deutlich geringen Umsatz und Marktanteil.

Ob eine der kleinen Agenturen oder eine neu gegründete europäische Agentur jemals weltweit mitspielen wird, bezweifeln deshalb viele. Nicht jeder ist so überzeugt wie PSR-Gründer Ottmar Schneck.

Zwar sind einige der zehn registrierten Agenturen in manchen Branchen schon so weit, dass sie mit den Großen konkurrieren könnten. Euler Hermes Rating beispielsweise, eine Tochter des Kreditversicherers Euler Hermes, hat schon erfolgreich einige Unternehmen wie Edeka aus dem gehobenen Mittelstand bewertet, bei denen grundsätzlich auch ein Rating von Moody’s & Co in Frage käme. Um das bei einem internationalen Großkonzern zu erreichen, ist es aber noch ein weiter Weg.