Kurz vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) gab Volkswagen bekannt, dass es mit der Verschmelzung der Volkswagen AG und der Porsche Automobil Holding SE in diesem Jahr doch nichts mehr wird. Einer der Gründe: Eine Gruppe von mehr als 40 Investoren – Hedgefonds, Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und andere Großanleger – hat eine Schadensersatzklage in Höhe von 1,1 Milliarden Euro gegen Porsche und Volkswagen beim Landgericht Braunschweig eingereicht. Die Anleger sehen sich durch die Porsche Automobil Holding SE im Zusammenhang mit deren Versuch, die Volkswagen AG zu übernehmen, geschädigt. Die Wolfsburger sollen als Mitwisser angeblich unzulässiger Marktmanipulationen in Mithaftung genommen werden.

Kein Beinbruch. Die ohnehin weit vorangeschrittene Integration des Porsche-Autogeschäfts in den Volkswagen-Konzernverbund wird das nicht aufhalten. Vorsorglich wurden alternative Wege der Zusammenführung der operativen Geschäfte der Wolfsburger und der Stuttgarter vereinbart. Bei beiden Autobauern laufen die Geschäfte hervorragend – und der Austausch von Ideen und Ressourcen kommt beiden Seiten zugute.

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Mancher Beobachter sieht sogar in der aktuellen Situation, in der die Porsche SE und damit de facto die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit der Stimmrechte an der Volkswagen AG kontrollieren, einen Vorteil für die Familienclans. Nach einer Verschmelzung würde ihr Stimmrechtsanteil niedriger liegen als bei dieser Konstruktion.

Dennoch wäre es zu begrüßen, wenn die (börsen-)historisch einmaligen Vorgänge um den Übernahmeversuch der Stuttgarter in den Jahren 2008/09 baldmöglichst juristisch aufgearbeitet würden. Die neue Klage ist nämlich nicht die erste und wohl auch nicht die letzte in diesem Zusammenhang. In den USA wurde eine Sammelklage von Hedgefonds im ersten Anlauf von einem Richter nicht zugelassen, weil die Vorgänge in Deutschland spielen. Aber die angeblich geschädigten Fonds haben noch nicht aufgegeben. Und Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln gegen Porsche und seine damaligen Chefs Wendelin Wiedeking und Holger Härter (Finanzen) und prüfen, ob sie bei ihrem riskanten Spiel Gesetze verletzt haben.

Im Kern geht es um die Methode des indirekten Anteilskaufs mittels Optionen, der es der damaligen Porsche-Führung lange ermöglichte, die übrigen Anleger über die wahren Machtverhältnisse unter den Aktienbesitzern im Unklaren zu lassen. Viele wollten damals mitverdienen, wie die eklatanten Ausschläge der VW-Aktie zeigten.

Wer die Guten und die Bösen waren in jenem Spiel, ist deshalb auch nicht so einfach zu sagen: Wer spekuliert, muss auch damit rechnen, dass er verlieren kann.

Klar ist, dass viele Spekulanten sehr viel Geld verloren haben. Gewonnen haben am Ende die Großaktionäre der Familien Porsche und Piech, die heute das größte Aktienpaket an Volkswagen kontrollieren, und Volkswagen, das den Spieß damals umdrehte. Heute sitzen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn und sein Finanzchef Hans Dieter Pötsch auch auf den Chefsesseln der Porsche Automobil Holding SE.