In Köln ist die "Liebesbrücke" inzwischen eine Touristenattraktion, sie fördert den Umsatz. Metallwarenhändler passen ihre Schaufenster an, Juweliere werben mit preiswerten Gravuren, es gibt einen Bildband zum Thema, und die Höhner haben ein Lied dazu. An der Eisenbahnbrücke mit dem schönen Blick auf Rhein und Dom ging es vor drei Jahren los, inzwischen sind es 40.000 Schlösser, 15 Tonnen Gewicht, schätzt die Deutsche Bahn, der die Brücke gehört. Und was sagt die Bahn zur Statik? "Ach was, das ist wie ein Fliegenschiss."

Die Geländer der Hohenzollernbrücke in Köln tragen Tausende Liebesschlösser.

In der Einsturzfrage herrscht also Uneinigkeit, ebenso in jener, wann und wo genau der Brauch entstanden sei. "Die Schlösser tauchten in den neunziger Jahren auf", sagt das Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland. Wahrscheinlich komme die Sache aus Italien – ja, von woher auch sonst?

Der römische Schriftsteller Federico Moccia behauptet, er habe das erste Schloss an der Milvischen Brücke über dem Tiber aufgehängt. Als er später den Roman Ho voglia di te schrieb, ließ er die Liebenden an ebendieser Stelle ewige Treue schwören, Schloss an die Laterne, Schlüssel in den Fluss. Später knickte die Laterne unter dem Gewicht ein. Als Rom die amorchetti von der Brücke verbannen wollte, war der Aufschrei so groß, dass seither Poller zum Aufhängen bereitstehen.

Interessant wäre es natürlich zu wissen, was die Schlüssel am Grund anrichten, ob der Gewässerschutz hier noch tätig werden muss. Wer seine Gefühle ökologisch einwandfrei dokumentieren will, der nimmt ein virtuelles Schloss. Das gibt es für keine drei Euro auf der Website liebes-schloesser.com, mit persönlicher Gravur aufzuhängen an einer Brücke eigener Wahl. Zu sehen ist das Schloss dann nur im Netz, so behörden- wie naturverträglich. Und sollte die Liebe irgendwann vergehen, lässt sich so ein Schloss auch wieder löschen. Für immer, per Mausklick.