Wer die Informationen zum Executive MBA an der Universität Münster liest, reibt sich verwundert die Augen: "Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich in nur drei Semestern zu einem qualifizierten M&A-Berater weiterzubilden." Der Master of Business Administration (MBA) als Qualifizierung zum Experten für Mergers & Acquisitions – also für Fusionen und Unternehmenszukäufe? Es wird noch seltsamer: Je nach Wahlfach und Ausrichtung der Masterarbeit kann man in Münster entweder einen Master of Law (LL.M) oder einen Executive MBA erwerben – und damit eigentlich zwei völlig unterschiedliche Abschlüsse. Der LL.M dient der Spezialisierung auf ein bestimmtes Rechtsgebiet, der Executive MBA soll eigentlich Führungskräfte in allgemeiner Unternehmensführung weiterbilden. Zudem ist das Programm vor allem deutschsprachig, während der MBA traditionell für eine internationale Weiterbildung steht. Zu diesen offensichtlichen Widersprüchen befragt, heißt es aus der Universität Münster nur: kein Kommentar.

Die European MBA Guidelines der European Foundation for Management Development (EFMD) in Brüssel lesen sich eigentlich eindeutig: "Der MBA ist ein Abschluss in allgemeiner Unternehmensführung. Spezialisierte Masterabschlüsse sollten daher nicht MBA genannt werden." Was keineswegs heißt, dass diese Programme schlecht sein müssen. Nur eine Ausbildung in General Management bieten sie eben nicht.

Mittlerweile sind nicht wenige der in Deutschland angebotenen MBA-Programme eigentlich fachspezifische Studiengänge wie in Münster, die wohl um des Marketings willen mit dem imageträchtigen MBA-Label versehen wurden. Verwunderlicherweise tragen die Akkreditierungsorganisationen keineswegs zur sachlichen Abgrenzung bei. Um die Qualität der neuen MBA-Programme zu sichern, hat der 1999 ins Leben gerufene deutsche Akkreditierungsrat die Begutachtung der Programme im Bereich Wirtschaft den vier Agenturen Aquin , Aqas , Fibaa und Zeva übertragen. Sie überprüfen, ob die Studiengänge in Deutschland bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. Die "Nominationspräferenz" – also die Bezeichnung des Studiengangs – liegt jedoch bei den Hochschulen. Inhaltliche Vorgaben gibt es nicht.

"Vorgeschrieben ist nur, dass der MBA ein weiterbildender Studiengang ist und man mindestens ein Jahr Berufserfahrung braucht", erklärt Immo Schmidt-Jortzig, Leiter der Programmakkreditierung bei der Fibaa. Überprüft werden könne lediglich, ob die Inhalte dem Studienziel entsprechen. Nur in Extremfällen, "wenn etwa eine Hochschule einen globalen MBA anbietet, aber ausschließlich auf Deutsch unterrichtet und sich auch nur mit deutschen Unternehmen befasst, könnten wir die Akkreditierung mit Auflagen erteilen", sagt der Fibaa-Mitarbeiter. Häufig aber müssten sie auch Programme durchwinken, die nicht der Tradition eines klassischen MBA entsprechen. "Da gibt es abenteuerliche Dinge wie einen klassischen Master für Wirtschaftsprüfer, der als MBA akkreditiert ist", sagt Schmidt-Jortzig. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass auch der Münsteraner Zwitter-MBA von der Agentur Aqas akkreditiert ist.

Im internationalen MBA-Markt spielen deutsche Akkreditierungen ohnehin kaum eine Rolle. Hier zählen nur die Akkreditierungen der drei weltweit tätigen Agenturen AACSB , Equis und Amba , zu denen sich die Hochschulen freiwillig anmelden können. Ihre Gütesiegel gelten als Indikator für qualitativ hochwertige Business Schools und MBA-Programme.