Wer glaubt, Siemens entsage dem Geschäft mit der Nuklearenergie aus Menschenliebe, der sollte nachlesen, was Aktiengesellschaften so treiben. Sie streben nach Gewinn, und der liegt für Siemens, das glücklos mit seinem Nuklearerbe hantierte, künftig vor allem bei den grünen Energien .

Dass Siemens das alte Geschäft aufgibt und das neue gerade im Hinblick auf die deutsche Energiewende ankurbeln will – es ist gleichwohl eine Art Weckruf in der Krise . Alle reden über den Euro, manche noch über die Gefahr hoher Preise für Strom und Sprit, aber so gut wie niemand mehr über die gigantische ökonomische Chance, die darin liegt, grün zu werden. Und zwar als einer der Ersten.

Längst wogt ein globaler Wettbewerb darum, wer schnell und innovativ die Klimawende vollzieht. Deutschland hat zwar als Erster die Energiewende ausgerufen, ist aber merkwürdig müde, diesen Vorsprung auch zu nutzen. CCS, die Technik , um das bei der Kohleverbrennung entstehende Klimagas zu bunkern? Hat Deutschland fast schon aufgegeben! Elektromobilität ? Bitte recht langsam! Ein intelligentes Stromnetz, in dem Bürger sowohl als Käufer wie auch als Verkäufer von Energie auftreten? Kommt nur zögerlich voran!

Bloß warten die anderen nicht. Forscher haben mehr als ein Dutzend Unternehmen aus Schwellenländern identifiziert, die das neue Öko-Bewusstsein zu ihrem Wettbewerbsvorteil nutzen. Ein indischer Zementkonzern zum Beispiel, der mit weniger Wasser auskommt als die Konkurrenz. Oder ein chinesischer Hersteller, dessen Klimaanlagen die Abwärme von Gebäuden zum Antrieb nutzen.

Merke: Die Euro-Krise geht so schnell nicht vorbei, doch die grüne Chance hält nicht ewig.