Kleidung kaufen

Tillmann Prüfer, Style Director des ZEITmagazins

Was Kinder nicht selbst ausgesucht haben, wollen sie auch nicht tragen. Also sollten sie mit in den Laden. Das führt zu Diskussionen über Preis und Geschmack. Aber als Vater hat man auch einen ästhetischen Erziehungsauftrag. Klugerweise sucht man drei Teile aus und lässt das Kind eines auswählen. Das bewahrt vor zu viel Glitzer und Pullis mit SpongeBob-Aufdruck.

Zaubern

Tim Schreder, Zauberkünstler

Unumstößliche Zaubererregel: Zauberer verraten nie ihren Trick. Nie. Für den Trick brauchen Sie ein simples Kartenspiel. Bitten Sie Ihren kleinen Zuschauer, eine beliebige Karte aus dem Stapel zu ziehen und sich diese gut zu merken. Legen Sie die restlichen Karten zu einem ordentlichen Stapel zusammen. Jetzt heben Sie mit der rechten Hand die obere Hälfte dieses Stapels an und bitten den Zuschauer, seine Karte exakt da-

zwischen zu platzieren. Merken Sie sich die unterste Karte des oberen Stapels, den Sie in der Hand halten. Das ist Ihre "Leitkarte" und wird Sie zur gesuchten Karte leiten. Nachdem der Zuschauer seine Karte auf die untere Hälfte gelegt hat, legen Sie die obere Hälfte wieder drauf. Der Kartenstapel ist vollständig. Beginnen Sie langsam und angestrengt, Karte für Karte abzudecken. Betrachten Sie die aufgedeckten Karten lange und konzentriert. Wenn Sie Ihre Leitkarte in der Hand halten, wissen Sie: Die nächste Karte ist die gesuchte Karte.

Grenzen setzen

Heinz Walter, Väterforscher

Das muss man von Anfang an tun. Man kann auch einem noch ganz kleinen Kind klarmachen: "Das will ich nicht." Es ist erstaunlich, wie gut es solche klar vermittelten Hinweise versteht. Der Vater setzt Grenzen, die Mutter auch – und so lernt das Kind, dass es diese Grenzen im Zusammenleben gibt und dass es auch selbst welche setzen kann – aber auch, dass ein Großteil verhandelbar ist. So entsteht in einer Familie eine Kultur des wechselseitigen Grenzensetzens. Das schafft einen Raum, in dem das Kind die Möglichkeit hat, seine eigenen Grenzen und damit sich selbst zu definieren.

Aufräumen

Brigitte Raab, Autorin des Bilderbuchs "Warum muss ich das?", Oetinger-Verlag

Wenn der Hausschuh neben dem Kaktus auf dem Fensterbrett steht und ich den Schraubenzieher im Zahnputzbecher finde, ist ein Aufräumtag fällig. Dann müssen alle Sachen wieder an ihren Platz, und jeder muss helfen. Am besten mit der Schlampereiwette: Vorher wetten, von wem die meisten Sachen herumliegen. Dann wird zusammengetragen. Für jeden gibt es einen Korb, dessen Inhalt wird am Ende gezählt. Wer richtig gewettet hat, darf sich ein Abendessen wünschen. Vorher muss natürlich jeder die Sachen aus seinem Korb aufräumen.

Mund halten

Harald Martenstein, ZEITmagazin-Kolumnist

Ich kenne mich nur mit Söhnen aus. Söhne verstummen häufig um den 14. Geburtstag herum, in der Pubertät scheinen sie das Werkzeug Sprache wieder zu verlieren. Sie schweigen aber nicht wie Babys, sie schweigen jetzt wie das Matterhorn, groß und geheimnisvoll. Erst mit 19, 20 Jahren beginnen sie wieder zu reden. Mütter dringen in sie: "Was ist mit dir? Was ist los?" Frauen sind das psychologische Geschlecht. Der Vater aber schweigt gemeinsam mit dem Sohn, er will seine Geheimnisse nicht kennen, dies tut der Beziehung gut. Gemeinsame Wanderungen, stundenlang, wortlos. Man sitzt zusammen im Gasthaus und studiert das Muster der Tischdecke. Der Vater: "Wenn was ist, dann sagst du’s, oder?" Der Sohn, brummend: "Hm." Da ist nichts. Außer dem Matterhorn. Nun breitet ein männliches, psychologiefreies Wohlbehagen sich aus, wie nur Väter und Söhne es empfinden können.

Spielzeug wegschmeißen

Wolfgang Büscher, ZEITmagazin-Redakteur

Unablässig schwappt eine Woge chinesischen Plastikmülls in unsere Kinderzimmer. Männlein, Monster, Minigeräte aller Art. Woher das Zeug genau kommt, bleibt ein Geheimnis. Doch ist es da, immer wieder, immer bescheuerter. Das muss alles raus. Manchmal jedoch hängt sich ein kleines Herz an so ein quietschbuntes Plastikding, dann, aber nur dann heißt es, die Abscheu herunterschlucken und fragen: Brauchst du das wirklich so sehr? Ist die Antwort ein seufzendes "Ja" – stumm nicken: "Na gut." Macht nichts. In den meisten Fällen lässt der Plastikmagnetismus bald nach, und das Ding liegt bloß noch herum. Das kommt auch weg. Alle paar Monate gehe ich mit den Kindern ihre Regale und Kisten und Betten durch, einen Müllsack in der Hand. Ganz wichtig: Keine Gewalt gegen Sachen! Nur was die Kinder selbst in den Sack tun, kommt in die Tonne. Meist teilt sich alles in drei Haufen: Lieblingssachen, die unbedingt bleiben. Sachen, die wegkönnen. Und dann gibt es den Haufen dazwischen: Mal sehen, wissen wir noch nicht so genau, bleibt erst mal hier. Ein ernstes Spiel: Nicht für den Müllsack – für das Leben lernen wir.