Wie es mit dem Euro weitergeht, weiß niemand, wie sein Ende aussehen würde, steht schon fest. Im Keller der Deutschen Bundesbank in Frankfurt steht hinter schweren Türen eine Maschine mit breiter Öffnung. Mitarbeiter der Bank legen bündelweise Geldscheine hinein, die Maschine rattert, auf der anderen Seite kommen die Scheine wieder heraus.

Sie sind nur noch Konfetti, sechs Millimeter lang, sechs Millimeter breit.

Mit dem Geldschredder zerhackt die Bundesbank alte Scheine. Neue könnte er auch vernichten, 1.500 Kilo am Tag. Würde nicht lange dauern, und der Euro wäre weg.

Wie schlecht es um die europäische Währung steht, zeigen zwei Zahlen. Die eine lautet: 7,8 Billionen. Sie beziffert die Staatsschulden der Euro-Zone. Diese Zahl steigt jeden Tag. Nie zuvor hatte Europa in Friedenszeiten so hohe Verbindlichkeiten. Und niemand weiß, wer die Schulden je zurückzahlen soll.

Die zweite Zahl liegt etwas niedriger. Ihre genaue Höhe ist unbekannt, aber auch sie wächst ständig. Es ist die Zahl der in der Öffentlichkeit geäußerten Vorschläge, wie der Euro noch zu retten sei.

Lasst Griechenland pleite gehen! Erweitert den Rettungsschirm ! Ohne Euro-Bonds geht gar nichts! Werft die Südländer aus dem Euro! Die Banken sollen zahlen ! Wir alle müssen mehr sparen!

Wer blickt da noch durch?

Will man verstehen, welcher der Vorschläge sinnvoll ist und welcher nutzlos, muss man mit einer Frage beginnen. Wer ist schuld an der Euro-Krise? Die Griechen? Die Deutschen? Die Finanzmärkte ?

Quer durch Europa muss man reisen, um sich den Antworten auf diese Frage zu nähern. Im Büro eines griechischen Ministers in Athen wird man Anhaltspunkte finden, ebenso wie in einem Luxushotel in Rom. Eine Videokonferenz in einem Frankfurter Büroturm wird Aufschlüsse liefern, aber auch ein Volksfest in der schwäbischen Provinz. Am Ende wird man erahnen, wie die Geschichten zusammenhängen in diesem Ringen um Europas gemeinsame Währung.

Am Anfang startet Jorgos Skrebos in Athen den Motor seines Toyota und kämpft seinen eigenen Kampf gegen die Krise. Skrebos, 45, war einmal Programmierer bei einer Medizintechnikfirma, sieben Jahre ist das her. Jetzt leuchtet auf dem Dach des Toyota die gelbe Taxilampe. Skrebos fährt zum Syntagma-Platz in der Innenstadt. Ein paar Bäume stehen da, das Parlamentsgebäude. Seit Juli demonstrieren die Griechen hier gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. Skrebos hofft auf Fahrgäste.

Vom Programmierer zum Taxifahrer. In Deutschland wäre das ein Absturz, in Griechenland sah es bis vor Kurzem wie ein Aufstieg aus. Jorgos Skrebos musste einem nicht leidtun.