Eines Nachts schreckte Wolfgang Schäuble aus dem Schlaf. Er hatte geträumt, internationale Terroristen hätten sich ein neues, schwer zu enttarnendes Versteck für ihr Geld ausgedacht – die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland. Das ist jene Bundesfirma in Frankfurt, bei der Hunderttausende Kleinsparer ihre Bundesanleihen und Schatzbriefe auf kostenlosen Konten liegen haben.

Als Schäuble, noch etwas benommen, über seinen Traum sann, wurde ihm klar, dass ein solcher Geldanlageplatz für Terroristen, Mafiosi und Drogendealer ideal war. Konnten die Dunkelmänner doch sicher sein, dass kein Fahnder auf die Idee käme, kriminelles Geld im Sparparadies der sicherheitsorientierten Kleinanleger zu suchen.

Ob Schäuble wirklich diesen Albtraum hatte oder ob es einen anderen Grund gab, ist nicht zu klären, tatsächlich aber unterliegt die Finanzagentur seit April dem Geldwäschegesetz. Sie muss ihre Neukunden nun in derselben Weise identifizieren, wie Banken und Sparkassen das tun. Der Unterschied zum bisherigen Verfahren der Agentur ist, dass sie nun auch die Nationalität und den Geburtsort ihrer Kontoinhaber feststellen muss.

Das wäre nicht weiter schlimm, hätte der Finanzminister die Frankfurter nicht dazu verdonnert, für bestehende Konten die Daten "nachzuerfassen". Und so sandten die im August 246.000 schwer verständliche Briefe heraus, in denen sie ihre Kunden aufforderten, bis Ende September beglaubigte Ausweiskopien einzusenden. Täten sie das nicht, würden die Konten "mit einer Verfügungssperre" belegt. Das ist ein ruppiger Umgang mit den treuen Anleihenkäufern.

Was den Rücklauf angeht, hält sich die Agentur noch bedeckt. Viele schickten die Angaben, aber ohne Ausweiskopie, sagt ein Sprecher. Andere schrieben lieber Protestbriefe. Und manche Meldeämter verweigerten den Sparern die Beglaubigung, weil die Finanzagentur keine Behörde, sondern eine GmbH ist. Die Sache weitet sich zu einem mittleren Chaos aus. Es ist, als hätten sich Terroristen das Ganze ausgedacht.