DIE ZEIT: Herr Weber, Sie haben als Bundesbankpräsident den Kampf gegen die Finanzkrise in vorderster Front geführt. Nun muss die gemeinsame Währung gerettet werden, und Sie wechseln in die Privatwirtschaft . Tut das weh?

Axel Weber: Nein, ich habe sieben Jahre ein öffentliches Amt innegehabt und mich dann bewusst dafür entschieden, einen anderen Karriereweg einzuschlagen. Viele der Themen werden mich aber weiter beschäftigen.

ZEIT: Über Ihren künftigen Arbeitgeber, die UBS, reden Sie noch nicht. Wie ist es mit Ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Bundesbank? Sind Sie mit der Amtsführung Ihres Nachfolgers einverstanden?

Weber: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren.

ZEIT: Weidmann klang zuletzt hart wie Weber.

Weber: Das haben Sie gesagt. Die Bundesbank steht für Stabilität und Langfristorientierung ein, und das ist richtig so.

ZEIT: Es sind turbulente Zeiten für Zentralbanker. Auf beiden Seiten des Atlantiks wächst die öffentliche Kritik an ihren Bemühungen, die schwächelnde Wirtschaft mit billigem Geld zu stabilisieren.

Weber: Notenbanken sind unabhängig. Sie müssen tun, was sie für richtig halten, egal, woher die Kritik kommt. Zugleich müssen sie stets darauf achten, dass sie dabei bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

ZEIT: Wie meinen Sie das?

Weber: Die Geldpolitik ist unabhängig, weil sie ein klares und allgemein anerkanntes Ziel hat: Sie muss die Inflation unter Kontrolle halten. Nur um dieses Ziel zu erreichen, ist sie – gewollt – der politischen Willensbildung entzogen. Notenbanker haben also kein Mandat für weiter gehende finanzpolitische Themen. Dafür sind einzig die Parlamente und die Regierungen zuständig. Die Zentralbanken aber haben im Zuge der Finanzkrise zunehmend Maßnahmen ergriffen, die in einem Graubereich zwischen Geldpolitik und Finanzpolitik angesiedelt sind. Das ist gefährlich.

ZEIT: Wie der Kauf von Staatsanleihen, gegen den Sie vor Ihrem Rücktritt gestimmt hatten?

Weber: Unter anderem. Wenn finanzpolitische Entscheidungen unter dem Deckmantel der Geldpolitik getroffen werden, werden sich die Bürger dazu äußern wollen. Ich halte das auch für berechtigt. Wir sprechen hier über hoch politische Fragen, die man nicht einem Gremium von – in diesem Fall absolut wertfrei gesprochen – Technokraten überlassen darf, wie es die Zentralbanken sind und erklärtermaßen sein sollen. Das Privileg, unabhängig zu sein, bringt die Verpflichtung mit sich, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren.

ZEIT: Was aber, wenn die Politik wie zuletzt handlungsunfähig ist, weil die Entscheidungen unpopulär sind oder die Mehrheiten fehlen? Sollen die Zentralbanken dann zuschauen, wie das Finanzsystem kollabiert?

Weber: Ich halte die Sichtweise, dass Regierungen und Parlamente ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, für eine unbewiesene Hypothese. Nehmen Sie die Entscheidung über das Bankenrettungsprogramm im Jahr 2008. Kaum jemand hätte es für möglich gehalten, dass Bundestag und Bundesrat innerhalb einer Woche ein Paket mit einem Volumen von 480 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Die Parlamentarier hatten aber erkannt, was auf dem Spiel stand, und handelten deshalb. Aber wenn sich immer gleich die Zentralbank bewegt, wird sich die Politik nicht bewegen.