Die Leistung und der Reiz von Nirumands Buch ist vor allem, dass sich darin sein eigenes Schicksal eng mit dem Schicksal seines Heimatlandes verbindet. Nicht dass in dieser iranischen Odyssee die persönliche Geschichte und die Irans jemals zur Deckung kämen. Nirumand ist im Alter von fünfzehn Jahren nach Deutschland gekommen und hat den größeren Teil seines Lebens als Immigrant in Deutschland verbracht. Es sind immer nur Schnittpunkte, in denen sich die Schicksale des mal euphorischen, mal todunglücklichen Exilanten und seines Landes direkt berühren. Und doch kenne ich kaum eine Biografie, in der sich ein Lebenslauf und die Wege einer Nation auf derart innige und schmerzvolle Weise verschränken. Das mit dem schwer übersetzbaren deutschen Wort Heimweh bezeichnete Gefühl – Bahman Nirumand hat es auf sehr deutsche Weise, in der Tradition der deutschen Romantik, gelebt. Sobald sich in Iran etwas regte, ist er unter Gefahr für Leib und Leben nach Teheran geflogen und hat versucht, sich dort nützlich zu machen.

Aber wer außer ihm selbst hatte ihn dorthin gerufen? Wollte dieses Land seinen verlorenen Sohn denn überhaupt? Hat es sich nicht um eine sehr einseitige Liebe gehandelt? In den viel längeren dunklen Perioden der jüngeren iranischen Geschichte hat Nirumand dem Widerstand in Iran von außen, als einer der Führer der iranischen Opposition im Ausland, als Redner und Verfasser von zahllosen Büchern über den Widerstand in Iran und dessen Schriftsteller gedient.

Nicht nur kleine und große Nationen können sich verrennen, auch Intellektuelle, die sich zu deren Befreiung berufen fühlen, können es. Die andere große Leistung von Nirumands Autobiografie besteht darin, dass er sich seinen eigenen Irrtümern und Enttäuschungen stellt, ohne je das Grundmotiv seiner Passion – die Befreiung Irans von der Diktatur – zu verraten. Eines der spannendsten Kapitel handelt von der fantastischen Fehleinschätzung der Intellektuellen, ihn selbst eingeschlossen, angesichts der Volkserhebung gegen den Schah. War dies nicht die überfällige und nun endlich glückende demokratische Revolution gegen die amerikanische Fremdherrschaft und ihre verhassten Lakaien? Die Erfüllung des Lebenstraums eines heillos in sein Land vernarrten Emigranten namens Bahman Nirumand?

An Ort und Stelle erlebt er die Verwandlung einer anfangs demokratischen Volkserhebung in eine islamische Gewaltherrschaft. Hier entfaltet der vom Revolutionär zum Autor geläuterte Nirumand seine an Heinrich Heine und seinem Freund Hans Magnus Enzensberger geschulten sarkastischen Talente. Schonungslos karikiert er das Pathos, mit dem er selbst vor seiner Abreise aus Frankfurt die deutsche Presse auf das Ende des Schah-Regimes und den Sieg der Demokratie einschwor. "Millionen bärtige Männer und schwarz verschleierte Frauen", schreibt Nirumand, "säumten mit gestreckten Armen und geballten Fäusten die Straßen des Landes, bereit, für Ajatollah Chomeini ihr Leben zu opfern, und ich sprach von unserem Sieg!"

Eindrucksvoll beschreibt der Heimkehrende die Gerüche, das Licht, die Farben der von Hoffnung und Heiterkeit beseelten Stadt. Seine womöglich falsche Entscheidung, ein Treffen mit Schahpur Bachtiar, dem noch vom Schah ernannten Premierminister, der sich als ehrlicher Makler der Übergangsperiode anbot, auszuschlagen. Keine Kompromisse, ein Revolutionär verhandelt nicht mit Übergangskandidaten! "Auch jetzt, nach drei Jahrzehnten, ist die Diskussion über Bachtiar nicht abgeschlossen", resümiert Nirumand. "Logisch betrachtet, hatte er recht. Denn ein langsamer Übergang wäre weitaus mehr zum Wohle des Volkes gewesen als eine klerikale Diktatur. Aber weder verläuft die Geschichte logisch, noch handeln die Massen vernünftig, schon gar nicht in der revolutionären Ekstase."