Kompromisslos dann sein Wutausbruch gegen die durch Chomeini fanatisierten Massen, ein Wutausbruch auch gegen sich selbst. "Verwundert schauten wir Linke, Demokraten, Liberale dem Geschehen zu und waren entsetzt, dass wir dieser Bewegung unsere Jugend, unser ganzes Leben gewidmet hatten. Wir hatten immer die Massen vergöttert und dafür gekämpft, dass ihr Wille das Schicksal des Landes bestimmen sollte. Jetzt hatten sie das Sagen. Und was kam dabei heraus? Rache und Gemetzel!"

Am bittersten rechnet er mit der Periode ab, in der er sich aus Verzweiflung über den Sieg der Klerikalen mit einer radikalen islamisch-marxistischen Splittergruppe einließ. "Vielleicht hatte mich auch die Aussicht auf Macht gereizt, sodass ich vieles, was bei den Volksmudschahedin meinen politischen Überzeugungen entgegenstand, ignorierte." Diese Gruppe, das wusste er von Anfang an, hätte Iran niemals die Demokratie gebracht. Dass er eine Zeit lang bereit gewesen war, seine Ideale im Namen des "Siegs im Volkskrieg" zu verraten, hält er für den größten Fehler seines Lebens.

Seine eigenen Gefährdungen hat Bahman Nirumand, dem das Wort Feigheit immer ein Fremdwort geblieben ist, mal durch Instinkt und den Rat seiner Freunde, mal durch schieres Glück überlebt. Dem vom Geheimdienst des Mullah-Regimes organisierten Attentat im Berliner Restaurant Mykonos ist er nur durch ein sprachliches Missverständnis entgangen. Nirumand hatte das Datum eines Treffens, bei dem einer seiner Freunde und drei Begleiter durch eine Killerbande umgebracht wurden, für den Donnerstag eingetragen. Es fand jedoch am Mittwoch statt. Der Mittwochabend heißt – aus dem Persischen übersetzt – "Abend des Donnerstags". In solchen Fällen, schreibt Nirumand lapidar, "habe ich immer Glück gehabt".

In seinem nun fünfundsiebzigjährigen Leben ist Nirumand kaum eine Hoffnung und kaum eine Enttäuschung erspart geblieben. Aber seine Geschichte hat, anders als die bisherige Geschichte der iranischen Revolution, einen guten Ausgang genommen. Am absoluten Tiefpunkt seiner persönlichen und politischen Verzweiflung ist ihm ein Engel erschienen. Wenn ich das Kapitel Gefühlserwachen – Rückkehr ins Leben richtig lese, hat seine zweite Frau, die Ärztin Sonia Seddighi, es verstanden, sich klug und behutsam an die Stelle seiner bisherigen Leidenschaft zu setzen. Nirumand, dies sagt einer, der ihn seit vierzig Jahren kennt, hat dieser späte Wechsel seiner Prioritäten gutgetan – und seiner alten Liebe für sein Land wird er nicht schaden.

Auf die eingangs gestellte Frage, warum bisher alle Umsturzversuche in Iran gescheitert sind, gibt Nirumands Buch keine Antwort. Gegen eine irdische Herrschaft, meint die iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi, würden die Menschen leichter den Kampf aufnehmen als gegen einen Gottesstaat, der sich der Religion als Legitimation bediene. Auch hat sich – in Ägypten und Tunesien – gezeigt, dass die Revolutionäre nur gewinnen können, wenn es ihnen gelingt, einen Teil des Militärs und der Sicherheitskräfte auf ihre Seite zu ziehen.

Die jüngste Geschichte des Nahen Ostens zeigt jedoch, dass sich der Ruf nach Freiheit, wenn er einmal so mächtig wie in Iran erschollen ist, auf Dauer nicht unterdrücken lässt. Deswegen gibt es Anlass zu der Hoffnung, dass Bahman Nirumand die Befreiung seines Landes noch erleben wird.