Stilkolumne: Die perfekte Rolle

© Peter Langer
Tillmann Prüfer über hochgeschlossene Pullover Von
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 40/2011

Es gibt einen Grund, sich auf den Herbst zu freuen: Man kann endlich wieder Rollkragenpullover tragen. Der Rollkragenpullover ist vor allem der Freund des Mannes. Dieser würde im Grunde immer gerne Rollkragenpullover tragen, wenn es die Witterung erlauben würde.

Der Rollkragenpullover vereint zwei wichtige Eigenschaften: Eleganz und Männlichkeit. Ende des 19. Jahrhunderts tauchte er in der britischen Sportmode auf, vor allem bei Golf- und Hockeyspielern. Später wurde er von Seefahrern geschätzt. Mitte des 20. Jahrhunderts kamen dann noch die Intellektuellen hinzu. Jetzt erlangte der Rollkragenpullover große Beliebtheit als Symbol für Rebellion und Anderssein.

Junge Bohemiens trugen ihn, um sich von den Männern in Hemd und Krawatte abzuheben, und die Pariser Existenzialisten machten den eng anliegenden, schwarzen Rolli zu ihrem Markenzeichen. Wir beschränken uns auf das Notwendige, so ihre Botschaft. Woody Allen spielt noch heute in seinen Filmen gerne mit dem Rollkragen als Symbol für Intellektuelle. Aber niemand hat das Kleidungsstück perfekter inszeniert als Apple-Chef Steve Jobs. Bei seinen Präsentationen vermittelte der Rolli alle Eigenschaften, die man mit einem Apple-Produkt assoziiert: Schlichtheit, Intelligenz, Zeitlosigkeit.

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Freilich haben auch die Frauen den Rollkragenpullover für sich entdeckt. Ende der sechziger Jahre wurde der turtleneck hauteng in grellen Farben zu Minirock und Plastikstiefeln getragen und wurde fortan immer populärer. In den aktuellen Kollektionen ist er unter anderem bei Lanvin und Maison Martin Margiela zu sehen, was allerdings nichts daran ändert, dass der Rollkragen für den Herrn immer wichtiger sein wird als für die Frau. Er schmeichelt dem Mann, indem er die ganze Aufmerksamkeit auf das Gesicht lenkt – was vor allem dann hilfreich ist, wenn der Rest des Körpers nicht mehr viel Aufmerksamkeit verdient. Ein dunkler Rollkragenpullover kaschiert Rettungsringe und drückt das Doppelkinn weg.

Ein Mann im Rolli wirkt alterslos. Dieser Pullover ist das Einzige, was dem alternden Mann bleibt, wenn er nicht das Format oder die Form hat, eine Krawatte zu tragen. Dann verdeckt der Rollkragenpullover gnädig die Falten am Hals. Ach, wäre doch nur immer Herbst.

Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Da ja irgendwie alles irgendwann mal wiederkommt, am besten nichts mehr wegschmeißen. Eigentlich muss man sich einen Grundstock an Modestilen aller Art zulegen und dann kommt man die nächsten Jahre ganz gut ohne Neukauf aus. Inzwischen habe ich sogar das Gefühl, wenn ich so etwas lese, der Rolli war gar nicht wirklich weg. Was mich zu der glücklichen Feststellung bringt, dass das sog. Modediktat vorbei ist. War man früher noch entweder modern oder unmodern gekleidet, kann man eigentlich heute irgendwie alles tragen, sofern man es kombiniert. Was ich am Ende praktisch finde, denn so verlängert sich die Lebensdauer meiner Kleidung. Mein Schrank ist inzwischen so voll und ich kann von den wenigsten Sache behaupten, die gingen derzeit gar nicht. Und wenn, in ein paar Jahren gehen sie wieder. Wetten?

weil von der Technik überholt. Früher war ein Rollkragen wirklich das perfekte Kleidungsstück. Doch damals waren im Winter die Räume noch kühl und wenn man nach draussen ging gab es höchstens einen Schal um den Hals. Heute sind unsere Räume im Winter so warm wie im Sommer. Warum sollte ich mich im Winter also dicker anziehen als im Sommer ?

Und draussen tragen wir Jacken aus HighTech Fasern die besser wärmen und angenehmer zu tragen sind als ein enger Rollkragenpullover.