Wenn sich am 11. Oktober Jörg Haiders Todestag zum dritten Mal jährt, erinnert nur mehr Witwe Claudia mit einem Gedenklauf an die einstige Ikone der europäischen Rechten. Für die politischen Erben war mit der Aufstellung eines Denkmals ("Haiders Hände") vor dem Dom zu Gurk das Erinnerungssoll erfüllt. Im Lichte der aufkommenden Skandale ist die Skulptur zum Mahnmal für eine politische Ära geworden, in der Nehmen seliger denn Geben war und eine Hand stets die andere gewaschen hat.

Das ehemals engste Umfeld Haiders wird nun von der Vergangenheit eingeholt. Zwar hat es seinen letzten Kärntner Hofstaat versprengt, das Zwielicht, in dem sie nun stehen, ist den Vasallen von einst jedoch als Gemeinsamkeit geblieben.

"Denn Sie wissen nicht, was Sie tun", zitiert Stefan Petzner für seine neue Werbekampagne die Bibel. Ein neuer Chef, eine neue, sanftere Tonart. Bei BZÖ-Obmann Josef Bucher, der das orange Überbleibsel des Kärntner Landeshauptmannes geerbt hat, fungiert Petzner nur mehr als Werbestratege im Hintergrund. Früher war er mächtiger und deftiger. Als rechte Hand Haiders, den er nach dem tödlichen Unfall zu seinem "Lebensmenschen" stilisiert und damit dessen Privatleben ins Scheinwerferlicht gerückt hatte, richtete er über Funktionäre und Journalisten. Und im Namen seines Herrn textete Petzner einst: "Kärnten wird einsprachig."

Heute ist Kärnten zweisprachig. Haiders Nachfolger als Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, hat damit endlich ein schier endloses Kapitel zum Abschluss gebracht. Doch der Ortstafel-Streit ist nicht der einzige Ballast aus den Haider-Jahren, dessen sich seine Erben zu entledigen versuchen. Mit den Skandalen der Ära, etwa dem tollen Treiben rund um die Hypo Alpe-Adria-Bank, will die heutige Parteispitze nichts mehr zu tun haben. "Meine Partei war da nicht dabei", verleugnete Uwe Scheuch, Chef der Freiheitlichen in Kärnten, kürzlich den früheren Übervater.

Haider hinterließ mit seinem posthumen Landtagswahlsieg von 2009 Scheuch und Dörfler eine nie da gewesene Machtfülle: das Kärntner BZÖ, das sich heute FPK nennt, erhielt 45 Prozent der Stimmen. Von Haiders dubiosen Aktivitäten zu Lebzeiten will heute niemand Kenntnis gehabt haben. Deshalb opferte man Haiders letzten Partei-Landesgeschäftsführer, Manfred Stromberger, als die "Connect"-Affäre ruchbar wurde. Die Connect war eine Ein-Personen-Werbeagentur der Partei. Sie schickte an Firmen, die Aufträge des Landes Kärnten erhielten, Rechnungen mit bis zu fünfstelligen Euro-Beträgen. Verrechnete Leistungen waren lapidare "Layout-Beratungen". Die meisten zahlten gleich direkt auf das Parteikonto ein. Die Affäre ist bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien anhängig. Stromberger musste als Landtagsabgeordneter zurücktreten und wird nun mit Aufträgen der Partei entschädigt.

Franz Koloini muss hingegen allein sehen, wo er bleibt. Er war einst Haiders Sekretär, Protokollchef und bevorzugter Ziehsohn, dessen finanzielle und private Eskapaden vom "Jörg" oft ausgebügelt wurden. Heute ist Koloini arbeitslos und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser: etwa mit Chauffeur-Diensten für Heather Mills, die Wahl-Kärntnerin und Exfrau von Paul McCartney. Nun muss sich der ehemalige Günstling ab 12. Oktober am Wiener Straflandesgericht wegen Geldwäsche verantworten. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Er hatte Gelder von Russen auf anonymen Sparbüchern angelegt. Für zwei Millionen Euro sollte ihnen Jörg Haider zur österreichischen Staatsbürgerschaft verhelfen. In der letzten Ministerratssitzung der schwarz-blau-orangen Koalition wurde sie den Neoösterreichern auch verliehen. Nun sind beide wegen Bestechung angeklagt.

Koloinis Prozess verspricht ein Wiedersehen mit der einst von ganz Europa geschmähten Regierung zu werden: Sein Anwalt hat von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel abwärts nahezu alle ehemaligen Regierungsmitglieder in den Zeugenstand nominiert.