Es gibt einen neuen Film über die Wegwerfgesellschaft. Taste the Waste , heißt er, und er zeigt, warum reiche Mitteleuropäer, wie wir Deutschen es sind, ungefähr die Hälfte der Lebensmittel wegwerfen oder wegwerfen lassen, die für uns produziert werden. Ilse Aigner, die Verbraucherschutzministerin (CSU), scheint den Film auch gesehen zu haben. Nun weist sie darauf hin, dass die Menge dieser Lebensmittel jedes Jahr eine Lkw-Kolonne füllen könnte, "Stoßstange an Stoßstange, von Madrid bis Warschau".

Damit könnte sie es gut sein lassen. Natürlich ist die Verschwendung von Lebensmitteln ein Skandal. Aber dabei geht es nicht um Verbraucherschutz, sondern um das Gegenteil davon: um den Schutz der Welt, insbesondere der Armen und der Hungrigen, vor uns Verbrauchern, die wir die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe treiben. Natürlich könnte Ilse Aigner uns ins Gewissen reden. Dass das ihre Aufgabe sei, wird man aber kaum sagen können. Andererseits scheint es so zu sein, dass die Politik nun etwas tun oder Tätigkeit wenigstens simulieren muss. Darum lässt Ilse Aigner jetzt, nach genauer Vermessung der erwähnten Lkw-Kolonne, noch untersuchen, "wie hoch der Verlust tatsächlich ist".

Klüger wäre es vielleicht, sie wiese auf einen praktischen Nachteil der Verschwendung hin: Sie ist teuer. Das könnte uns Verbraucher womöglich nachdenklich stimmen.