Wissenschaftler sind entsetzt darüber. "Die Tatsache der Evolution wird hier als unbewiesene Hypothese dargestellt", sagt etwa Ulrich Kutschera, Biologieprofessor an der Universität Kassel. Das Problem sei dabei gar nicht so sehr, dass in einem einzelnen Schulfach der Stand der Wissenschaft relativiert werde. Sondern wie dies geschehe: Mit dem Kreationismus vermittele der Unterricht implizit, dass man die Bibel zur Erkenntnisgrundlage machen könne – was offener, vorurteilsfreier Forschung widerspreche.

Dittmar Graf befürchtet, dass die Evangelikalen hier besonders leichtes Spiel haben, weil auch vielen Nichtchristen die Evolution schlicht nicht wichtig genug ist: In einer Umfrage unter seinen Studenten stellte sich heraus, dass selbst unter angehenden Biologielehrern die Kenntnisse recht lückenhaft sind.

Auch sein Wissenschaftskollege Kutschera findet deutliche Worte: "Wissenschaftliche Fakten und religiöse Glaubensinhalte im Biologieunterricht derart zu vermischen ist verantwortungslose Volksverdummung."

Wie gehen die Behörden damit um? In Detmold etwa weiß die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung darüber Bescheid, dass das Schöpfungsmodell gelehrt wird. Die Francke-Schule bewege sich aber "im vertretbaren Bereich", sagt eine Sprecherin.

Denn rechtlich ist es durchaus zulässig, Kreationismus sogar im Biologieunterricht zu propagieren, solange die Evolutionstheorie nicht gänzlich verschwiegen wird: "Schulen in freier Trägerschaft müssen alles gleichwertig unterrichten und die Bildungsziele des Staates erreichen", sagt der Berliner Schulrechtsprofessor Johann Peter Vogel. "Aber es ist ihnen unbenommen, ihre eigene, spezifische Sicht hinzuzufügen."

Dem Bildungsrechtler Thomas Langer von der Universität Bochum zufolge ist das klare Bekenntnis für Grundschulen sogar Genehmigungsvoraussetzung. Salopp gesagt: Ohne Schöpfung keine Schule.

Wie schnell eine spezifische Sicht für die Schüler zur unumstößlichen Wahrheit wird, berichtet der ehemalige Referendar der Francke-Schule. Eines Tages sei ein Gastredner gekommen, der den Oberstufenschülern erklärte, es gäbe inzwischen wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Gott die Arten erschaffen habe. Der Referendar war wohl einer der wenigen, die den Vortrag kopfschüttelnd verfolgten.

Denn am Ende habe der Saal vor Begeisterung getobt.