Die letzten Vitrinen sind eingeräumt, ihr Glas ist auf Hochglanz poliert. Elefanten, Panzer und Raketen stehen an ihrem Platz. Am Wochenende wird nach Jahren des Umbaus das Militärhistorische Museum Dresden eröffnet. Das Ziel des wissenschaftlichen Leiters, Gorch Pieken: eine »Kulturgeschichte der Gewalt« zu zeigen. 62 Millionen Euro hat die Generalüberholung gekostet. Hat sie sich gelohnt?

Dass die Diskussion um das Konzept des neuen Leitmuseums der Bundeswehr jetzt erst richtig beginnen wird, ist gewiss: Zu neu und ungewöhnlich erscheint das, was hier im Dresdner Norden auf dem alten Arsenalgelände präsentiert wird. Zu sehr versucht das Museum das Gegenteil dessen, was viele wohl erwarten würden – hier wird Militär nicht nur glorifiziert. Hier wird es eindrucksvoll hinterfragt. So ist neben prunkvollen Uniformen und monströsen Waffen auch die Galgenschlinge zu sehen, an der ein griechisch-makedonischer Dirigent 1943 erhängt wurde. Außerdem sind 60 Schuhe ausgestellt, Schuhe aus dem Vernichtungslager Majdanek. Scheinbar banale Dinge erzählen beredt von Grausamkeiten des Kriegs.

Auch wenn Gorch Pieken nach stressigen Monaten nun zur Eröffnung erst einmal durchatmet, ist er schon dabei, neue Ausstellungsstücke zu organisieren. Sein derzeit größter Wunsch: Es möge gelingen, 1.000 Handys vom Kairoer Tahrir-Platz nach Dresden zu holen. »Mobiltelefone, die als Auslöser für Sprengfallen genutzt werden, sind schon Teil der Ausstellung. Wenn wir auch zeigen könnten, wie sie in Ägypten und Tunesien zu Symbolen der friedlichen Revolution wurden, wäre das großartig«, sagt er. Gemeinsam mit einem Verein aus Marburg versucht Pieken nun, Geld für den Kauf der Telefone aufzutreiben. Unabhängig davon, ob das gelingt: Tausende beeindruckende Exponate werden jetzt in Dresden zu sehen sein.