Seit meiner Kindheit sind alle meine Träume sehr wichtig für mich: meine Nachtträume, meine Vorstellungen und Sehnsüchte, die Träume meines Herzens und meiner Seele. Ich bin überzeugt davon, dass alle diese unterschiedlichen Träume an einem geheimen Ort miteinander verbunden sind.

Als ich ein kleines Mädchen war, hatte ich oft einen sehr intensiven Albtraum. Dieser Traum spielte auf einem Friedhof. Eine Hexe versuchte, mich zu locken und in eine Gruft zu zerren. Manchmal war ich außerhalb des Friedhofs, und sie versuchte, mich hineinzulocken. Manchmal war ich auf dem Friedhof und versteckte mich vor ihr. Oder sie war draußen und rüttelte am Gittertor. Immer war sie auf der Jagd nach mir, immer versuchte ich, ihr zu entkommen. Vier Jahre lang habe ich diesen Traum beinahe jede Nacht geträumt, in verschiedenen Variationen. Das war sehr beängstigend.

Damals habe ich viel Zeit im Haus meiner Großmutter verbracht, es war ein großes, dunkles Haus, direkt nebenan war tatsächlich ein Friedhof. Die Hexe war wohl meine Großmutter, sie war eine strenge, einschüchternde Frau. In meinem Albtraum haben sich die Ängste meiner Kindheit manifestiert, die Angst vor dem Tod und vor der Einsamkeit. Als ich vier Jahre alt war, hat mein Vater die Familie verlassen, meine Eltern ließen sich scheiden. Ich ging auf ein katholisches Internat, wo ich mich nicht wohlfühlte, und war häufig bei meiner Großmutter. Ich war oft allein. Trotzdem erinnere ich mich, dass ich ein fröhliches Kind war.

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Ein Grund dafür waren meine Tagträume: Ich habe viel Zeit in Fantasiewelten zugebracht. In meiner Fantasie war alles möglich, ich konnte beispielsweise durch die Wände von einem Zimmer ins nächste gehen. Diese Gedankenspiele entsprangen einem tiefen Bedürfnis. Sie haben mich wachsen lassen, mir Selbstvertrauen gegeben. Wahrscheinlich waren sie auch eine Quelle für meine Entscheidung, Schauspielerin zu werden.

Ich habe früh Theateraufführungen und Konzerte erlebt, auch sie repräsentierten für mich als Kind Traumwelten. Mit 17 entschied ich mich, ans Theater zu gehen. Ob Regie oder Schauspielerei, war mir egal. Ich habe davon geträumt, in dieser kreativen Welt zu arbeiten und in einem Ensemble eine Art Familie zu finden. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass ich dann vor allem eine Filmschauspielerin geworden bin – das ist eine eher isolierte Existenz. Davon habe ich nie geträumt.

Im Moment ist mein größter Traum, über einen langen Zeitraum eine Beziehung zu führen. Den Menschen dazu habe ich schon gefunden, ich bin gerade sehr glücklich mit ihm, es ist traumhaft. Aber wie kann man diesen Traum am Leben erhalten? Glücklicherweise habe ich mittlerweile einige Erfahrungen gemacht. Wenn ich diesen Menschen mit 20 getroffen hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht bereit zu einer dauerhaften Beziehung gewesen. Jetzt scheint mir der richtige Moment dafür da zu sein.

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