Zehn Millionen Türken: Die Furcht des Helmut Schmidt
Als er das erste Mal nach Istanbul kam, war Helmut Schmidt 36 Jahre alt und Abgeordneter im Bundestag. Zwei Hamburger Reeder hatten ihn, den damaligen Verkehrsexperten, gebeten, in die Türkei zu reisen und herauszufinden, ob ein regelmäßiger Schiffsverkehr zwischen der Elbmündung und der türkischen Schwarzmeerküste lohnend wäre.
Also setzte sich Schmidt in sein Auto und fuhr los. Über Nürnberg nach Prag, vorbei an Belgrad bis nach Istanbul, wo er sich einen Fahrer nahm. Dann ging es weiter über Ankara bis an die armenische Grenze. Schmidt wurde schnell klar, dass er den Reedern von ihrem Vorhaben abraten musste. Unterwegs in Anatolien kamen ihm ständig Lkw entgegen, auf deren Windschutzscheiben das Wort Inşallah stand. "Ich kannte das Wort damals nicht und dachte, dass die Wagen immer zur selben Speditionsfirma gehörten." Er ahnte nicht, wie sehr ihn die Türkei und die Türken später noch beschäftigen sollten.