Die eine selbstsicher im Hosenanzug mit flachen Schuhen, die andere unbeholfen auf hohen Absätzen und im engen roten Kleid: Nach der Pressekonferenz am Montag zur Frauenquote in Dax-Vorständen wurde selbst Ursula von der Leyens und Kristina Schröders Kleidung ausgedeutet, um das klarzumachen, was sich angeblich im Streit der beiden Ministerinnen manifestiert – das Aufeinandertreffen zweier vollkommen unterschiedlicher Frauentypen. Ein Generationenkonflikt.

Denn darauf wird der Streit um die Frauenquote zwischen Ursula von der Leyen (Hosenanzug) und Kristina Schröder (rotes Kleid) gern reduziert: auf einen Konflikt zwischen der älteren Frau, Generation Emanze und Befürworterin einer verpflichtenden Quote, und der jüngeren Frau, Gegnerin der Quote und Vertreterin einer Generation, die den Feminismus angeblich für überholt hält.

Keine Frage, es gibt einen Konflikt zwischen den beiden CDU-Frauen. Aber welche Position man vertritt, das hat nichts mit dem Alter zu tun: Es gibt junge Frauen, die eine Frauenquote unterstützen, und es gibt ältere, die sie ablehnen. Nur weil Kristina Schröder 34 Jahre alt ist, spricht sie noch lange nicht für ihre Generation. Aber den Gegnern der Quote passt es nur allzu gut, den Streit zwischen den Ministerinnen als Generationenkonflikt abzustempeln, denn das spielt ihnen in die Hände: Die jungen Frauen, denen die Quote ja nützen würde, wollen sie anscheinend gar nicht – dann müssen wir sie auch nicht umsetzen.

Wer den Streit zwischen von der Leyen und Schröder auf den Generationenkonflikt reduziert, nimmt das ganze Thema zudem nicht ernst: Bei einem Generationenkonflikt schwingt immer die Unterstellung mit, dass die eine Position von gestern sei und die andere nur vertreten werde, um sich von der ersten abzusetzen. Wenn es, wie bei der Quote, dann noch um ein vermeintliches Frauenthema geht, über das sich zwei Frauen uneins sind, fällt schnell ein weiterer Begriff: Zickenkrieg. Was nichts anderes bedeutet als: Ihr Frauen seid euch ja selbst nicht einig, werdet euch doch erst mal klar, was gut für euch ist und was ihr wollt, dann sehen wir weiter.

Aber warum sollten sich Frauen nicht um die Quote streiten wie um jedes andere Thema auch? Und warum wird die Frauenquote überhaupt als Frauenthema wahrgenommen? Schließlich betrifft eine Quote die Männer genauso sehr, und auch die sind sich längst nicht darüber einig. Aber da würde niemand von einem Generationenkonflikt oder Hahnenkampf sprechen.

Solange Begriffe wie Generationenkonflikt und Zickenkrieg im Mittelpunkt stehen, rückt der eigentliche Inhalt in den Hintergrund, er wird zu dem, was für Gerhard Schröder einmal "Gedöns" war. Und die Vorstände können sich erst mal bequem zurücklehnen.

Hätte übrigens von der Leyen das rote Kleid gewählt und die hohen Schuhe, Schröder dagegen den Anzug, dann wäre ein anderes Bild bemüht worden: Die eine wäre auf hohen Hacken wie eine Königin in signalrotem Kleid aus dem Raum stolziert, die andere schüchtern auf flachen Sohlen hinterher. Hauptsache, es passt.