Es ist noch gar nicht lange her, da war Sahra Wagenknecht für viele Deutsche ein Freak. Eine unheimliche Wiedergängerin von Rosa Luxemburg , die immer ein Hauch von Kaltem Krieg zu umwehen schien. Ihre Truppe innerhalb der Linken nannte sich "Kommunistische Plattform", was im Grunde so viel hieß wie "wir haben nichts zu bereuen, rutscht uns den Buckel runter". Als Kuriosum des Politikbetriebs wurde sie durch die Talkshows gereicht.
Das ist vorbei. Aus dem schönen Monster ist in der Krise eine satisfaktionsfähige Finanzpolitikerin geworden, deren Kontrahenten sich warm anziehen müssen, wenn sie bei Maybrit Illner gegen die stellvertretende Vorsitzende Der Linken bestehen wollen. Mit kalter Wut, aber höflich und mit allen Zahlen bewaffnet, reduzierte Wagenknecht den Bankenverbands-Geschäftsführer Michael Kemmer zu einem hilflos grinsenden Zuschauer. Er hatte treuherzig versichert, die Banken täten alles, um den Kunden mit Krediten zu dienen. Wagenknecht erklärte, ganze vier Prozent flössen bei der Deutschen Bank noch in das Kerngeschäft, "der Rest ist Wetten, Zocken, Spekulieren". Die Banken genehmigten sich eine Art Sozialismus, der Kapitalismus bleibe dann den Lohnempfängern. Da applaudieren ihr die Leute, laut, mit zusammengepressten Lippen und wütendem Kopfnicken: Endlich sagt es mal eine!