Wenn er im Ornate stehet / Und kreieret die Doktoren, / Fließet ihm die stolze Rede / Gleich dem zweiten Cicerone." So erdachte sich Clemens Brentano 1812 in seinen Romanzen vom Rosenkranz den berühmten Juristen Jacopone, der die größten Fürsten mit Rechtssprüchen versorgte und Tausende Schüler an seiner Weisheit teilhaben ließ. Und obwohl Juristen im echten Leben nur selten Gegenstand lyrischer Gesänge sind, hatte Brentanos Jacopone ein reales Vorbild: Friedrich Carl von Savigny, den Schwager des Dichters – und bedeutendsten Rechtsgelehrten der deutschen Geistesgeschichte.

Seine adligen Vorfahren waren im 17. Jahrhundert aus Frankreich nach Deutschland gekommen und hatten es hier zu beträchtlichem Wohlstand, ja Reichtum gebracht. Doch dem jungen Savigny ist das Schicksal zunächst nicht nur wohlgesinnt. Geboren am 21. Februar 1779 in Frankfurt am Main, verwaist er früh. 1791 stirbt der Vater, im Jahr darauf die Mutter. Auch von seinen zwölf Geschwistern überlebt keines die Kindheit. Der Junge wächst in der Obhut eines Familienfreundes auf, Constantin von Neurath, Richter am Wetzlarer Reichskammergericht, der dem jungen Savigny ersten Rechtsunterricht erteilt.

1795 immatrikuliert sich der 16-Jährige an der Universität Marburg. Er studiert mit Fleiß und echter Leidenschaft. Mitreißende Persönlichkeiten hat die hessische Provinz indes nicht zu bieten. Er geht für ein Semester nach Göttingen. Die Stadt bekommt ihm nicht, und er kränkelt. Trotz seines jugendlichen Alters macht Savigny erste Erfahrungen mit körperlichen Gebresten, die ihn immer wieder zu längerem Rückzug auf das Familiengut Trages bei Hanau zwingen. Dazu gesellt sich zuweilen eine Art von Depression, der er weder durch besonderen Studieneifer noch durch ausgedehnte Ausflüge in die romantische Literatur dauerhaft entfliehen kann.

1799 schließt er sein Studium ab und bricht zu einer Kavaliersreise auf, die neuerliche Unordnung in sein Leben zu bringen droht. Gleich zu Beginn trifft Savigny bei einer Bekannten die um ein Jahr jüngere Karoline von Günderrode. Sie ist wie er früh verwaist und einzelgängerisch veranlagt – und sie schreibt: leidenschaftliche, träumerische Gedichte. Die junge Poetin ist beeindruckt von Savignys "zauberischen" Augen, seinem "wunderbaren Kopf", von "dem sanften Schmerz, den sein ganzes Wesen ausdrückt".

Savigny scheint die Liebe der romantischen Frau zu erwidern; man tauscht einen flüchtigen Kuss. Doch als es Zeit ist, sich zu erklären, schweigt der junge Gelehrte lange, dann erkundigt er sich verlegen nach dem Wohlergehen von Karolines Bruder. Es ist, als müsste er sich selbst ermahnen, zu den Abgründen der Welt sichere Distanz zu bewahren. "Es ist ja das Einzige, was ich von ihm haben kann: der Schatten eines Traumes", muss die tief enttäuschte Karoline erkennen.

Statt Vorlesungen gibt es Schießübungen mit dem Landsturm

Savigny reist weiter nach Oßmannstedt bei Weimar zu Christoph Martin Wieland und Sophie von La Roche. Kurz darauf begegnet er den Enkeln der Dichterin: Clemens und Christian Brentano. Er besucht Leipzig, Halle und Jena, die bekannten Universitäten, trifft in Eisenach Jean Paul und sammelt wie nebenbei das Material für eine Dissertation, die im Sommer 1800 fertig ist. Sein wissenschaftliches Feuer ist nun endgültig entfacht; von den höchsten Staatsämtern, die ihm Herkunft und Begabung nahelegen, treibt ihn die innere Neigung fort. Ein "Reformator der Jurisprudenz, ein Kant in der Rechtswissenschaft zu werden" sei sein Plan, verkündet er begeistert den Freunden.

Zurück in Marburg, hält Savigny erste Vorlesungen. Seine Hörer sind gefesselt von seiner Erscheinung: groß gewachsen, schulterlanges dunkles Haar, frei im Denken und klar im Sprechen, mit einem immer wieder hervorblitzenden Sinn für Humor. Zu seinen Schülern zählen Jacob und Wilhelm Grimm, die rasch eine grenzenlose Verehrung für Savigny entwickeln. "Ich werde Sie immerfort lieb haben", schreibt Jacob dem kaum älteren Lehrer.

Auch Bettine Brentano gehört zum Freundeskreis, genau wie ihr späterer Mann Achim von Arnim. Das Band zwischen dieser Familie und Savigny wird sogar noch enger: 1804 heiratet er Gunda Brentano, vermutlich die Bodenständigste unter den Geschwistern. Und obwohl so geradezu familiär einbezogen in den Zirkel der Romantiker, bleiben ihm deren Träume und Fantasien merkwürdig fremd. Clemens Brentano klagt früh, Savigny schenke ihm häufig nur aus Höflichkeit Gehör; sobald er ihm den Rücken kehre, rumpele "die Studiermaschine wieder im alten Gleis".

Liberaler Aufbruch in Preußen

Als Jurist hat er zu diesem Zeitpunkt bereits einen Namen. 1803 ist seine erste Monografie erschienen, eine kunstvoll komponierte Studie über Das Recht des Besitzes. Ihre vollendete Balance zwischen systematischer Schärfe und historischem Reichtum ist bis heute vorbildlich. Mit ihr tritt Savigny – 24-jährig – an die Spitze der deutschen Privatrechtswissenschaft. Im selben Jahr wird er außerordentlicher Professor in Marburg, bricht aber bald nach seiner Hochzeit zu einer neuen, ausgedehnten Bibliotheksreise auf, diesmal nach Paris. Hier exzerpiert er mithilfe Jacob Grimms ein gutes Jahr lang unter widrigen äußeren Bedingungen Unmengen mittelalterlicher Handschriften.

Die Lehrtätigkeit in Marburg nimmt Savigny nicht mehr auf. Im Sommer 1806 – er ist gerade in Trages – trifft die Nachricht vom Tod der Günderrode ein. Die 26-jährige Dichterin hat sich in Winkel am Rhein, am Ufer des Stroms, ein Messer ins Herz gestoßen. Savigny ist, wie er Clemens Brentano mitteilt, "sehr erschüttert".

Das Ende des Alten Reiches und den Beginn der napoleonischen Herrschaft erlebt Savigny wieder auf Reisen. Er forscht in Bibliotheken und Archiven in Deutschlands Süden und Osten, besucht Wien und in Weimar Goethe. 1808 nimmt er überraschend einen Ruf nach Landshut an, für knapp drei Jahrzehnte der Ort der bayerischen Landesuniversität. Er lässt sich mit der – inzwischen dreiköpfigen – Familie dort nieder. Die Wanderjahre sind vorüber.

Freilich bleibt Landshut Episode. Die Kleinstadt ist provinziell, die Kollegen sind bieder, die Studenten rührend, aber nicht besonders anregend. Für bleibende Erinnerungen sorgt allenfalls der Einzug der napoleonischen Truppen. Savigny will wieder raus aus Bayern, am besten nach Preußen, wo jetzt die Reformer das Sagen zu haben scheinen. "Wenn man eine Universität in Berlin anlegt, soll man machen, daß ich dahin komme", schreibt er seinem Schwager Clemens.

Beides geschieht. 1810 empfiehlt ihn Wilhelm von Humboldt dem König und drängt Savigny, noch vor Eröffnung der neuen Universität zur Stelle zu sein, um auf deren Einrichtung selbst Einfluss zu nehmen. Savigny sagt sofort zu. Berlin begeistert ihn, es sei "so schön und grandios wie kaum eine Stadt in Europa".

Er spürt den liberalen Aufbruch in Preußen. Trotzdem sieht er sich nicht als Wegbereiter der neuen Epoche. Die Zeit, die mit der Französischen Revolution angebrochen ist, erscheint ihm nicht geheuer. Er setzt durch, dass im Berliner Curriculum römisches Recht anstelle des zwar geltenden, aber wissenschaftlich deutlich weniger ergiebigen preußischen Landrechts steht. Gleich 1810 beginnt er zu lehren. Im Jahr darauf wird er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und im April 1812 der Nachfolger des Philosophen Johann Gottlieb Fichte im Amt des Rektors.

Im selben Jahr endet in Russland der Siegeszug Napoleons. Die Grande Armée muss sich geschlagen geben; das von Napoleon gedemütigte Preußen sieht den Moment gekommen, wiederaufzuerstehen. Am 28. März 1813, noch zur Amtszeit des Rektors Savigny, verliest der Theologe Friedrich Schleiermacher den Waffenruf König Friedrich Wilhelms III. gegen die französischen Besatzer – und bis ins Sommersemester hinein leeren sich die Hörsäle fast vollständig. Savigny formiert Landwehr und Landsturm. Er führt Übungen im Schießen durch, "unvergeßliche Excursionen ins praktische Leben", die jede normale Arbeit zum Erliegen bringen. Am 18. Oktober 1813, dem Tag der Leipziger "Völkerschlacht", die Napoleons Schicksal vorerst besiegelt, legt er symbolträchtig sein Rektorat nieder. Der äußere Dienst an der preußischen Wahlheimat ist erfüllt.

Der innere Dienst freilich hat kaum begonnen. Der Wiederaufstieg Preußens soll zugleich eine Erneuerung seiner geistigen Kräfte bringen. Aber der Wiederherstellung der untergegangenen Ordnung steht Savigny näher als dem Aufbruch in eine unbekannte Welt. Die Forderungen von 1789 vertragen sich nicht mit seinen Idealen von Ruhe, Besonnenheit und Maß.

Als im Schwung der Befreiungskriege der Ruf ertönt, die deutschen Länder unter einem gemeinsamen Zivilgesetzbuch zu vereinen und darin auch Errungenschaften der Französischen Revolution und des Code Napoléon zu sichern, nimmt Savigny dies 1814 zum Anlass, seine schon länger gehegten Ansichten über die Entstehung einer Rechtsordnung auszuformulieren: Er veröffentlicht seine Schrift Vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft.

Ein Gesetzbuch, heißt es da, bedeute notgedrungen den gewaltsamen Bruch der organischen Verbindung, die Vergangenheit und Gegenwart eines Volkes miteinander verknüpfe. Das Recht, gleich der Sprache, entwickele sich urwüchsig durch "innere, stillwirkende Kräfte" des Volkes und sei deshalb keiner äußeren Kodifikation zugänglich. Wer den Geist des Rechts durchdringen wolle, müsse sich – und hier zeigt sich dann doch der Romantiker – zunächst an den Geist des Volkes halten. Erst nach gründlichem Studium der Ursprünge allen Rechts, der Herkunft, dürfe man an eine behutsame Regelung der Zukunft denken. Bis dahin könne der Gesetzgeber nur punktuelle Antworten auf brennende Tagesfragen erlassen, nicht aber eine umfassende Kodifikation.

1815 werden diese Überlegungen zur ideellen Grundlage der Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft, die Savigny gemeinsam mit zwei Berliner Kollegen gründet, um die gleich gesinnten Denker des Landes zu einer "historischen Schule" der Rechtswissenschaft zusammenzuführen. Savignys programmatische Einleitung betont noch einmal, aller Rechtsstoff sei Produkt der Geschichte und könne nicht nach gesetzgeberischem Gutdünken "zufällig dieser oder ein anderer seyn". Damit wendet er sich vor allem gegen die naturrechtliche Vorstellung, Recht könne allein aus der Vernunft geschöpft werden. Viel wichtiger sei eben der historisch gebildete "Volksgeist". Es ist der Geist eines ideal gedachten Kulturvolks, dessen wahre Absichten und Wünsche nur von seinen kulturellen Repräsentanten erkannt und erfüllt werden können. Im Falle des Rechts sind die Volksrepräsentanten Juristen. Der Volksgeist ist Juristengeist.

Savigny geht aus dem Kodifikationsstreit als Sieger hervor, der Ruf nach einer nationalen Gesetzgebung, wie sie Napoleon für Frankreich schuf, verstummt. Vom Beruf unsrer Zeit wird eine der berühmtesten juristischen Schriften überhaupt, die Historische Schule die einflussreichste Strömung der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Und obwohl Savigny das romantische Vokabular vom Volksgeist als Teil einer wissenschaftlichen, nicht aber einer politischen Strategie verwendet, so geht seine Rechtstheorie doch über ein bloß unverbindliches Bildungsprogramm weit hinaus.

"Ungedruckte Quellen mitzutheilen" sei das erste Verdienst, das man sich um das geschichtlich verstandene Recht erwerben könne, lässt er die Leser seiner Zeitschrift wissen. Rechtsquellen werden nicht gemacht, sie werden gefunden, und zwar vor allem im römischen Recht, das bereits seit Jahrhunderten als allgemeines Kulturgut ausgewiesen sei. Die Entfaltung der historischen Rechtsvernunft wird so zur Sache einer Juristenaristokratie, die sämtliche politischen Anmaßungen unter Verweis auf die höhere Wahrheit der eigenen Erkenntnis abwehrt. Das Naturrecht ist besiegt; an seine Stelle tritt Juristenrecht.

Ein Kant der Rechtswissenschaft?

Die ersten Bände von Savignys gewaltiger Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter erscheinen. Sie sind gewissermaßen der empirische Beweis, dass tatsächlich eine ununterbrochene Traditionslinie von Rom bis in die Gegenwart verläuft. Rom wird zur Geburtsstätte einer europäischen Rechtskultur, die im Mittelalter über die Universität von Bologna ihre Weiterentwicklung in verschiedenen nationalen Zentren erlebt habe und nunmehr in der Historischen Schule ihrer höchsten Vollendung entgegenstrebe.

Nicht nur die Zeitgenossen nehmen es begeistert zur Kenntnis – bis ins Kaiserreich versteht sich die deutsche Rechtswissenschaft in Savignys Nachfolge als Fackelträgerin der europäischen Jurisprudenz. So hat sich die Akribie bezahlt gemacht, mit der er jahrelang Europas Bibliotheken durchforstete. Selbst spätere Kritiker bescheinigen ihm eine "Gabe der Quellenkritik", die "an das Wunderbare grenzt". Doch es bleibt auf längere Zeit seine letzte wissenschaftliche Großtat.

Er wohnt jetzt am Pariser Platz, ist Privatlehrer des Kronprinzen, wird 1819 Mitglied des jungen preußischen Staatsrats sowie des preußischen Revisions- und Kassationshofes für die Rheinlande, später auch der Gesetzesrevisionskommission. Immer mehr verwandelt er sich in einen Verwaltungsbeamten, eine Tätigkeit, die zunehmend seine Arbeitskraft absorbiert.

Er kränkelt wieder. Hinzu kommen Schicksalsschläge. Anfang 1831 stirbt sein Freund, der Althistoriker Barthold Georg Niebuhr, wenige Tage darauf sein Schwager Achim von Arnim. 1835 muss er seine einzige Tochter Betine beerdigen, die ihm unter den vier Kindern wohl am nächsten stand. Seine engsten Freunde, die Brüder Grimm, sind ihm seit 1837 entfremdet, als sie, mit anderen Professoren zu den Göttinger Sieben vereint, gegen den Verfassungsbruch des Königs von Hannover protestieren und daraufhin ihrer Posten enthoben werden. Savigny äußert Mitgefühl, verspricht finanzielle Hilfe, verweigert aber private Zustimmung oder gar öffentliche Solidarität. "Daß ein solcher wie Savigny uns verleugnet, den wir liebten, als sei er ein Teil von uns selbst, das läßt sich nicht verschmerzen", klagt Wilhelm völlig fassungslos.

In der Revolution von 1848 wird er aus dem Amt gefegt

Savigny vergräbt sich erneut in seine wissenschaftliche Arbeit. Von 1840 an erscheint das riesenhafte System des heutigen römischen Rechts, in dem er den Beweis dafür erbringen will, dass sich der jahrtausendealte Rechtsstoff tatsächlich in eine zeitgemäße Rechtsordnung überführen lasse. Mit dem bloßen Stöbern in Antiquitäten hat diese Forschung nichts mehr zu tun; sie steht ganz im Dienst des geltenden Rechts und legt die Fundamente für eine spätere Kodifikation.

Bald darauf, 1842, nimmt er endgültig Abschied von der Universität. Friedrich Wilhelm IV., sein einstiger Schüler, hat ein von der übrigen Justizverwaltung gesondertes Ministerium für Gesetzgebung eingerichtet, Savigny soll es leiten. Der Professor wird Staatsmann – aber so kühn Savigny der Wissenschaft unerforschtes Terrain erschlossen hat, so fest bewegen sich seine politischen Vorstellungen in den vertrauten Bahnen. Er bleibt ein Mann der alten Ordnung.

Schon seine Vorstellung vom organischen Wachstum des Rechts erlaubt ihm nicht mehr als einzelne Korrekturen am vorhandenen Bestand. Doch nicht einmal das will ihm gelingen. Der verschärften Zensur, die 1843 eingeführt wird, widerspricht er allenfalls halbherzig, seinen Versuch, dem Erbadel die privilegierte Stellung zu bewahren, umweht ein Odeur von Eigennutz. Da, wo Neues auf den Weg gebracht wird, bleibt er außen vor: Seine Vorschläge, den Zivilprozess zu reformieren, werden abgelehnt, bei der Einführung der Staatsanwaltschaft 1846 übergeht man ihn im entscheidenden Moment ganz.

Savignys Positionen fallen immer fühlbarer aus der Zeit. Bezeichnenderweise ist einzig sein Einsatz für ein restriktives, "die Willkür zügelndes" Ehegesetz von Erfolg gekrönt, das viele der bereits existierenden Scheidungsgründe wieder abschaffen soll und eher einen Rückschritt denn einen Fortschritt darstellt. Der politische Betrieb überfordert ihn zusehends. Seine bescheidene Zurückhaltung wirkt nun verbittert, sein Anstand verschwindet im starren höfischen Zeremoniell. Der Volksgeist – aber ein Volksgeist ganz anderer Art – fegt ihn im März 1848 aus dem Amt.

Das gute Jahrzehnt, das ihm noch bleibt, widmet er wieder ganz den Büchern. Das 50-jährige Promotionsjubiläum wird groß begangen, der 80. Geburtstag noch größer. Der Gelehrte wird Kronsyndikus, Mitglied des Herrenhauses, er erhält den Schwarzen-Adler-Orden und den Pour le Mérite.

Am 25. Oktober 1861 stirbt Friedrich Carl von Savigny in Berlin. Seine Schriften sind längst in alle Sprachen übersetzt, sein Name ist weltweit bekannt. "Der Tempel klagt’ in schwarzen Trauerflören – / Verwaist des Hohepriesters Sessel stand – / ›Nie seines Gleichen wird der Welt gehören!‹ / So scholl’s [...] / Von Volk zu Volk – von Land zu Land", dichtet holpernd ein untröstlicher Kollege dem Helden hinterher. König und Königin erweisen ihm die letzte Ehre.

Ein Kant der Rechtswissenschaft? Savigny hat die Grundlagen der modernen Rechtswissenschaft gelegt und den deutschen Juristen fast ein ganzes Jahrhundert autonomer Rechtsgestaltung ermöglicht. Das Bürgerliche Gesetzbuch, unser BGB, wird erst im Jahr 1900 Wirklichkeit. Dass die deutschen Untertanen so lange warten mussten, bis sie zu ihrem gemeinsamen bürgerlichen Recht kamen, ist maßgeblich auf Savignys Wirken zurückzuführen. Dass in das BGB die Essenz eines Jahrhunderts intensiver rechtshistorischer Forschung einfließen konnte, allerdings auch.