Es ist schon ungerecht, dass die Bundeswehr auf der Liste der Aufregerthemen momentan eher am unteren Ende herumkreucht. Immerhin hat der Verteidigungsminister mit der Truppe ungefähr das Gleiche vor wie der Finanzminister mit dem Euro. Er will sie hebeln . Vornehmer ausgedrückt: Deutschland soll sicherheitspolitisch mehr Gewicht gewinnen bei gleichzeitig abnehmender militärischer Masse .

Ja doch, in Berlin weiß man noch, dass ein 80-Millionen-Volk in der Mitte Europas sich nicht vor der Welt verstecken kann, dass das "Ohnemicheln" keine Dauerlösung ist. Aus der Libyen-Intervention mag sich diese Bundesregierung herausgehalten haben. Doch Thomas de Maizière (CDU) ist der erste Verteidigungsminister der Republik, der sagt, dass Verpflichtungen innerhalb internationaler Organisationen unter Umständen auch dann eingehalten werden müssen, wenn es kein unmittelbares deutsches Interesse an einem Einsatz gibt. Seine Armeereform bereitet Deutschland also auf etwas Neues, politisch eigentlich Undiskutiertes vor. Auf Bündnispatriotismus. Auf strengeres Gewehr-bei-Fuß.

Wäre das Bundesverteidigungsministerium nicht das Bundesverteidigungsministerium, sondern ein Freund der deutschen Sprache, würde seine dazugehörige Botschaft nicht lauten: "Die Personalstrukturreform zielt auf Einsatzausrichtung." Nein, sie könnte dann einfach lauten: "Stark durch schlank." In der Welt der Armeen, so der Leitgedanke der Neuausrichtung, heißt die Maßeinheit für Gewicht eben nicht Umfang, sondern Schlagkraft. Die Fettabschmelze an den neuerdings freiwilligen deutschen Streitkräften, sie vollzieht sich zunehmend drastisch, und zwar auf allen Ebenen: in der Fläche, in den Waffenarsenalen und im Ministerium selbst.

Am härtesten trifft es jene Bundeswehr-Standorte, die nun geschlossen werden sollen. Von den 390 Stützpunkten im Land werden 31 aufgelöst . Für viele Kommunen bedeutet das den Verlust ihres Hauptarbeitgebers. Das ist zwar nichts Neues, seit der Wiedervereinigung hat die Truppe schon 250 Standorte aufgelöst. Inzwischen aber kommt die traurige Erkenntnis hinzu, dass derartigen Kahlschlägen vielerorts kein noch so bunter Stadtplanungszauber gewachsen ist.

Ins Mark trifft die Reform auch die Rüstungsindustrie. Der Deal, den der Minister dieser Tage in schwierigen Gesprächen zu verkaufen versucht, lautet: Wir nehmen weniger vom Alten, dafür demnächst was Neues. Konkret: nur 140 statt 177 Eurofighter. Nur 40 statt 60 Transport-Airbusse. Nur sechs statt acht Mehrzweckkampfschiffe. Dafür kommt Luft ins Budget für flexible Neubestellungen.

Schließlich soll das Ministerium in demselben Verhältnis wie die Bundeswehr insgesamt schrumpfen, um gut ein Drittel auf dann 2.000 Beamte. Einer von ihnen wird der Generalinspekteur sein, der künftig zur Berliner Hausleitung gehören soll. Der oberste Soldat ist der große Gewinner der Reform. Ihm werden die Abteilungen Planung, Führung sowie Strategie und Einsatz unterstellt.

Ach, und dann wäre da noch die Denke. Sie will der Minister ebenfalls entschlacken. Am 10. Oktober schrieb de Maizière in einem Brief an alle Mitarbeiter: "Noch stärker als bisher wird ein bundeswehrgemeinschaftliches, integriertes und konsequentes Denken gefördert, aber auch gefordert." Will sagen: mehr Einsatz für den Einsatz.