Wenn das mal keine beeindruckende Zahl ist: "69 Prozent aller Deutschen können sich mittlerweile vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen", zitiert Stefan Vogg eine "repräsentative Studie" vom September dieses Jahres, Anfang 2010 seien es gerade einmal 39 Prozent gewesen. Vogg leitet den Deutschland-Vertrieb von E.on, dem zweitgrößten Stromkonzern hierzulande. Für die Münchner ist angesichts der Zahlen klar: "Höchste Zeit, für die Kunden ein attraktives Gesamtpaket zu schnüren."

Eine Ladestation für zu Hause , deren Installation, die Lieferung von Ökostrom und ein passendes Leasingangebot für ein Elektroauto gehören zu diesem Paket mit dem wohlklingenden Namen "E.on eMobil". Das E-Auto kommt von der Sixt Leasing AG, einer Tochter des größten deutschen Autovermieters. Endlich gebe es "ein ganz konkretes greifbares Angebot" für Umsteiger, preist Sixt-Leasing-Vorstand Mark Thielenhaus das Paket an.

Dass attraktive Angebote nottun, zeigt die bisherige Verbreitung der E-Mobile. Eine Million Elektroautos möchte Kanzlerin Angela Merkel bis zum Jahr 2020 auf unseren Straßen sehen. So soll Deutschland zum "Leitmarkt" für die viel beschworene Zukunftstechnologie werden und die hiesige Industrie ihre führende Stellung in der Autotechnik behaupten. Dem stehen bislang ganze 1.786 E-Autos gegenüber, die zwischen Januar und September dieses Jahres vom Kraftfahrt-Bundesamt registriert wurden. Das sind weniger als 0,1 Prozent aller Neuzulassungen. Können das Paketangebote wie das von E.on/Sixt bald ändern?

Konkret will E.on für die Installation der Ladebox in Garage oder Carport – im Prinzip nicht viel mehr als eine gut abgesicherte Steckdose – erst mal einen knappen Tausender haben, dazu muss der künftige eMobilist auch noch seinen Haushalt komplett auf den von E.on gelieferten Ökostromtarif umstellen. Die zertifizierte Energie werde aber "zu wettbewerbsfähigen Preisen" geliefert, verspricht Chefverkäufer Vogg. Für eine einmalige Sonderzahlung von 4.499 Euro und eine monatliche Leasingrate von 499 Euro bekomme der Kunde dann von Sixt Leasing einen Peugeot iOn in einem "Rundum-Sorglos-Paket" gestellt, wie Sixt-Manager Thielenhaus betont. Wartung und der Austausch von Verschleißteilen seien darin bereits enthalten. Die Preise gelten für eine Vertragsdauer von 36 Monaten und 5.000 Kilometer Laufleistung im Jahr.

Insgesamt ist der eMobil-Kunde damit in drei Jahren knapp 24.000 Euro los, die Kosten für den Strom noch nicht eingerechnet. Und wenn er den schmalbrüstigen Viersitzer, der mit einer vollen Ladung bei Idealbedingungen bis zu 150 Kilometer schafft, richtig nutzt und mehr als 5.000 Kilometer im Jahr zurücklegt, wird es noch teurer. Immerhin übernehmen die Sixt-Leute die Verwertung des E-Autos nach Ablauf des Leasingvertrags.

Für einen vergleichbaren Kleinwagen von Peugeot oder einer anderen Marke mit konventionellem Antrieb lägen die Leasingraten deutlich niedriger, räumen die Sixt-Manager ein, etwa die Hälfte dürfte realistisch sein. Für 24.000 Euro kann man aber auch einen gut ausgestatteten sparsamen Golf-Diesel oder Opel Astra, beide eine Wagenklasse höher, kaufen. Und diese muss man nicht nach drei Jahren wieder hergeben. Ein "E.on eMobil"-Kunde muss also eine Menge Enthusiasmus mitbringen.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich die Paketverkäufer erst mal standhaft weigern, eine Absatzprognose abzugeben. Vielleicht haben sie sich aber vorher auch schon über die Erfahrungen der Konkurrenz informiert. RWE, Deutschlands größter Stromkonzern, hat schon vor gut einem Jahr ein ähnliches Paket namens "eDrive" auf den Markt gebracht. Für gut 35.000 Euro bietet es ein batteriebetriebenes Stadtauto (Mitsubishi-MiEV oder Citroën C-Zero) mit Ladeinfrastruktur und Ökostrom. Zu Beginn der Aktion bekamen "Frühbucher" sogar noch den Strom für ein Jahr kostenlos hinzu. Zudem bieten die RWE-Leute, anders als E.on, auch noch in fast 200 deutschen Städten ein Netz von gut 1.000 eigenen Ladepunkten für diejenigen an, die nicht immer zu Hause Strom tanken wollen. Die Mitsubishis und Citroëns sind praktisch baugleich mit den Peugeots des E.on-Pakets, schließlich werden alle drei Modelle in Japan bei Mitsubishi Motors gebaut. Das Resultat des RWE-Einstiegspakets fiel bislang freilich eher ernüchternd aus: "Eine kleine dreistellige Zahl" von Geschäfts- und Privatkunden habe man bislang gewonnen, heißt es bei der RWE Effizienz GmbH. Also nur gut 100 eDrive-Kunden in einem ganzen Jahr.