Mehr Wachstum: Und erst mal müssen die Griechen pleitegehen

Ich habe den großen Crash von 1987, die Internetblase der neunziger Jahre, die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die Lehman-Krise erlebt. Doch eine solche Nervosität, wie sie jetzt durch die Schuldenkrise in Europa hervorgerufen wurde, habe ich nur selten erlebt. Es gibt nur noch Daytrader. Keiner kauft mehr Aktien, um sie zwei Jahre lang zu halten. Zu unsicher.

Das Problem ist, dass die Europäer nicht mal wissen, was das eigentliche Problem ist, nicht mal darüber sind sie sich einig. Es ist schön und gut, immer neue Milliarden in die Krisenregionen zu pumpen, das hilft vielleicht kurzfristig den Banken, doch das Kernproblem heißt Wachstum. Und dieses Problem wird nicht durch immer neue Rettungspakete gelöst.

Europa kann seine Misere nur überwinden, wenn es wächst. Auf jeden Fall ist es notwendig, dass Griechenland ganz offiziell pleitegeht. Natürlich ist die große Angst verständlich, dass davon auch andere Länder angesteckt werden. Allerdings – wenn man sich Griechenland anschaut, sollte eine Pleite verkraftbar sein. Das Land hat gerade mal elf Millionen Einwohner, so viele wie Los Angeles.

Griechenland ist wie ein toter Fisch. Wie ein toter Fisch treibt das Land mit dem Bauch nach oben. Also ist es besser, wie etwa in Argentinien, einen harten Schnitt vorzunehmen. Das tut selbstverständlich erst einmal weh. Aber ich war gerade in Argentinien; dem Land geht es heute gut. Die Regale in den Supermärkten sind prall gefüllt, die Geschäfte laufen gut.

Aber Griechenland? Da hilft kein Geld der Welt. Der Markt fordert harte Maßnahmen. Es wäre wirklich besser, dieser Realität ins Auge zu sehen und nicht ewig die Schulden vor sich herzuschieben. Das dehnt das Leiden nur aus. Je länger die Europäer diskutieren, desto mehr Gruppen melden sich mit ihren eigenen Interessen. Der Unmut in der Bevölkerung nimmt zu, das sehen wir hier in New York mit den Demonstrationen ja übrigens auch schon. Ich kann die Reaktion der Griechen verstehen. Wer will schon 50 Prozent seiner Pension verlieren? Aber am Ende wird es diesen Schnitt geben müssen.