An der Mündung des Sarno gelegen, galt die Stadt sieben Jahrhunderte lang als einer der sichersten Häfen der Welt. Direkt am Meer, aber auf einem Plateau, die vorgelagerten Lagunen schützten sie gegen die raue See. Denn von dort – wenn überhaupt – drohe die Gefahr, dachte alle Welt damals. Der Name der Stadt: Pompeji. Ein Erdbeben und der wachgerüttelte Vesuv sollten die Patrizierstadt im Jahr 79 unserer Zeitrechnung unter meterdicken Ascheschichten begraben.

Die Geschichte Pompejis lehrt uns: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Nicht für Leib und Leben und auch nicht für das liebe Geld, erst recht nicht, wenn eine Schuldenkrise wie die derzeitige die westliche Welt aus ihren Angeln zu heben droht . Tief verunsichert und ein wenig verzweifelt staunen wir über Abkürzungen wie EFSF oder ESM , über die Zahl der Nullen, die unter den nächsten Rettungsschirm passen, wir fürchten die Inflation und haben keine Ahnung, wo unser Geld noch sicher aufbewahrt ist. Zwei Drittel aller Anleger haben Angst, dass ihre Ersparnisse in Gefahr sind, hat eine Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment kürzlich herausgefunden. Eine handfeste Vertrauenskrise attestiert deren Geschäftsführer für Privatfonds Giovanni Gay deshalb den Märkten. Mit harten Fakten belegbar sei diese allerdings nicht. Aber selten zuvor hätten so viele Sparer ihre Angst zugegeben. Auf die Tipps von Bankberatern vertrauen sie längst nicht mehr, hat die Fondsgesellschaft Fidelity ermittelt. Jeder dritte Sparer nimmt demnach seine Geldangelegenheiten lieber in die eigene Hand. Und fragt sich nun: Wo ist mein Geld überhaupt noch sicher?

In Krisenzeiten beginnt üblicherweise die Suche nach sicheren Häfen – oder zumindest nach Anlagemöglichkeiten, die Experten und Börsenbriefe öffentlichkeitswirksam für solche befinden. Gold wird dann immer als Reservewährung genannt, der Schweizer Franken als Fluchtwährung, Immobilien werden zu "Betongold", und Rohstoffe versprechen stets Rettung fürs Depot. Aber jetzt, wo Europas Staaten und Banken in schwere See geraten sind, geben selbst gestandene Vermögensverwalter wie Jens Ehrhardt zu: "Es ist verdammt schwierig, etwas zu finden, was man überhaupt noch als sicheren Hafen bezeichnen kann."

Das gilt vor allem für jene Anleger, die nach Sicherheit und ein bisschen Rendite suchen. Für jene, die nur nichts verlieren wollen, taugen zumindest deutsche Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten von drei oder fünf Jahren als Anlage. Obgleich diese Papiere derzeit so niedrige Zinsen abwerfen, dass Anleger nach Abzug der Inflationsrate schon jetzt Verluste schreiben. "Und je länger die Laufzeiten, desto größer wird das Problem mit der Inflation", warnt Ehrhardt, "weil die Staaten in den kommenden Jahren wieder vermehrt Geld drucken werden." Kein Wunder also, dass einige Nobelpreisträger Staatsanleihen nur noch als "Flucht in die relative Sicherheit" bezeichnen. Die gewohnten Fluchtreflexe funktionieren nicht mehr. Wie seit Kurzem in der Schweiz : Nachdem der Franken zuletzt gefragte Fluchtwährung war und unaufhörlich stieg, haben die Eidgenossen ihre Währung an den Euro gekoppelt . Steigen kann der Franken nun nicht mehr, sinken allerdings schon, schließlich gilt er ohnehin als chronisch überbewertet. Prompt denkt die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf öffentlich darüber nach, ob die Schwelle bei 1,20 Franken pro Euro bleiben oder ob sie diese auf 1,30 anheben soll. Zudem droht die Schweizer Nationalbank, Negativzinsen für Ausländerkonten per Dekret zu verlangen. Deutsche Anleger müssten dann Geld dafür bezahlen, dass sie ihre Guthaben in der Schweiz unterbringen. So wäre wenigstens eines sicher: Man verliert bei den Nachbarn Geld, wenn man die Risiken im Euro-Raum umschiffen will.

Schon haben Finanzexperten eine andere Währung ausgemacht, die sicher sein soll, falls der Euro-Raum auseinanderkracht: die norwegische Krone. Geringe Arbeitslosigkeit, solide Staatsfinanzen und gigantische Ölvorkommen sprächen für das skandinavische Land. Verbraucherschützer halten vom Fremdwährungskauf allerdings wenig. "Währungen sind keine sicheren Geldanlagen, sondern Spekulation", sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest. Die Kurse schwanken mitunter sehr stark, also drohen Anlegern immer Verluste. Zudem kostet das Zurücktauschen von Fremdwährungen Geld. Und käme Norwegen wirklich ungeschoren weg, wenn im Euro-Raum der Orkan tobte? Schließlich lebt die Wirtschaft des Landes zu 80 Prozent davon, dass sie Brennstoffe, Fische, Tourismus und Software in andere europäische Staaten exportiert.

Wenn also nicht norwegisches Geld, dann vielleicht eine eigene Wohnung in einer deutschen Großstadt? Wer sich in zentraler Lage eine Bleibe kauft, kann nicht viel falsch machen, sagen fast alle Immobilienexperten. "In den Metropolregionen ist man völlig sicher. Und auch für alle Städte ab 100.000 Einwohner taugt die Immobilie als Werterhalt", sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbandes IVD. Der Verband hat errechnet, dass die Wohnimmobilienpreise in den sieben Topstädten zwischen 1977 und 2010 fast immer stärker stiegen als die Inflationsrate.

Nur muss das nicht für immer so bleiben. Auch Pompeji galt ja 700 Jahre lang als sicher. Zudem wird es jenseits solcher Allgemeinaussagen schon schwierig: Den Münchner Immobilienmarkt etwa halten einige Analysten für überhitzt. Vor ein paar Jahren galt das 22-Fache der Jahresmiete als "normaler Kaufpreis" für eine Stadtwohnung. Inzwischen ist es an der Isar schon das 36-Fache. Für Luxusneubauten legen Käufer sogar das 55-Fache hin. Im Schnitt kostet ein Quadratmeter in München 3.600 Euro, das ist Bundesrekord. Auch in anderen Metropolen sind 30-fache Jahresmieten als Kaufpreise längst Usus. Und trotzdem können Makler gar nicht so schnell Wohnungen im Internet inserieren, wie sie diese verkaufen könnten. In Toplagen deutscher Metropolen werden Immobilien nur noch meistbietend zugeteilt, sagt Vermögensverwalter Bert Flossbach. "Wir würden deshalb nicht mehr auf die großen Zentren setzen wie München, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg, weil die schon zu gut gelaufen sind", sagt auch Christian Kreuser, Leiter des Privatkundengeschäfts der Quirin-Bank. Er empfiehlt Anlegern gerne Wohnimmobilien zum Kauf, aber lieber in den "Hidden Champions", so nennt er kaufkräftige Universitätsstädte wie Ingolstadt oder Ulm.