Die Akupunkturbehandlung bei Migräne, ein hochwertiges Zahnimplantat, die Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder die neue Brille: Dafür zahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht. Wer solche Wünsche hat, braucht eine private Zusatzversicherung, die sich immer mehr Deutsche leisten : Im vergangenen Jahr zahlten 16,5 Millionen gesetzlich Versicherte Beiträge für knapp 22 Millionen Zusatzpolicen. Das sind fast doppelt so viele wie die 8,9 Millionen Mitglieder der Privaten Krankenversicherung.

Die Leistungskataloge der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sind nach der Gesundheitsreform 2004 massiv geschrumpft. Gleichzeitig hat das GKV-Modernisierungsgesetz Kooperationen zwischen Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung (PKV) erleichtert und Kassenpatienten den Weg zu einer zusätzlichen privaten Absicherung geebnet. Doch wie gut ist dieses Geld – im Jahr 2010 waren es immerhin 6,4 Milliarden Euro – angelegt? Schließlich "könnte man das Geld für besondere Zusatzleistungen auch einfach sparen", sagt Ulrike Steckkönig von der Stiftung Warentest. "Man schließt ja auch keine Versicherung für den Fall ab, dass Waschmaschine oder Kühlschrank kaputtgehen."

Steckkönig testet seit vielen Jahren in der Finanzredaktion der Stiftung Warentest Zusatzpolicen von der Reisekrankenversicherung über die Zahnzusatzversicherung bis hin zum Ergänzungspaket für Heilpraktikerbehandlungen und hat herausgefunden, dass viele Policen weniger leisten, als sich das der Versicherte bei Vertragsabschluss vorstellt. "Man macht sich als Versicherter nicht immer bewusst, was die Formulierungen bedeuten. Das kann ein Laie auch gar nicht", sagt sie. Ein Beispiel: Eine private Zusatzversicherung übernimmt die Kosten von Heilpraktikerbehandlungen ausdrücklich soweit sie im Gebührenverzeichnis der Heilpraktiker stehen, also auch nur in der darin festgesetzten Höhe. Da Heilpraktiker jedoch in ihrer Honorargestaltung frei sind, lauern mitunter böse Überraschungen, etwa wenn konsultierte Naturheilkundige nach Stundensätzen abrechnen.

Es gibt nur zwei einfache Antworten, wenn es um das Für und Wider privater Zusatzversicherungen geht. Für jeden, der außerhalb Deutschlands unterwegs ist, ist eine Auslandskrankenversicherung empfehlenswert. Damit lassen sich für wenig Geld – gute Verträge gibt es schon für zehn Euro – Rücktransporte absichern, die die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich nicht übernehmen. Sparen kann man sich hingegen eine Krankenhaustagegeldpolice, die dem Patienten bei einem Krankenhausaufenthalt eine Art privates Taschengeld zahlt. Diese Police ist nicht zu verwechseln mit dem Krankentagegeld, das etwa Selbstständigen hilft, Verdienstausfälle aufzufangen. Bei allen anderen Produkten bleibt es dem Einzelnen überlassen zu entscheiden, nur kann das richtig Arbeit machen: So taugt ein Krankenhauszusatztarif nicht viel, der nicht die Kosten für die Chefarztbehandlung über den 3,5-fachen Höchstsatz der Gebührenordnung für Ärzte übernimmt – jedenfalls nicht für jemanden, der sich unbedingt vom Spezialisten seiner Wahl behandeln lassen möchte. Chefärzte aus Universitätskliniken können ein Vielfaches dieses Höchstsatzes verlangen, solange sie das fachlich begründen. Dabei wäre der Beitrag für den sicheren Zugang zum obersten Gott in Weiß nur minimal höher: Eine Krankenhauszusatzversicherung, die eine 43-Jährige für den Luxus eines Zweibettzimmers und die Übernahme der Chefarztkosten in unbeschränkter Höhe abschließt, ist schon für 33 Euro monatlich zu haben. Eine vergleichbare Versicherung, die lediglich den 3,5-fachen Höchstsatz übernimmt, kostet gerade mal einen Euro weniger.