Die Bruchlinien des Kapitalismus werden größer. Was einmal winzige, mit bloßem Auge kaum zu erkennende Risse waren, hat sich zu tiefen Klüften ausgewachsen, in denen ganze Nationen zu versinken drohen. Dabei schien der Stern des Kapitalismus nie heller zu leuchten als zwischen dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Finanzkrise 2008. Mit Margaret Thatcher gesprochen, gab es zum Kapitalismus keine Alternative, Debatten um seine möglichen Varianten blieben akademisch. Die auf das angelsächsische Modell fixierten Nationen sangen das Lob "liberalisierter Märkte". Deutschland und Frankreich verteidigten die "soziale Marktwirtschaft". China entwickelte seine eigene Spielart eines zentral gesteuerten Kapitalismus und versetzte das westliche Gemüt in eine Mischung aus Angst und stiller Genugtuung.