Quer durch die Euro-Zone ist ein Land nach dem anderen mit einer kaum noch in den Griff zu bekommenden Staatsverschuldung und der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit konfrontiert. Doch die rigide Sparpolitik hat das Grundproblem offensichtlich nicht zu lösen vermocht. Schlimmer noch, diese Politik hat neue Probleme aufgeworfen; die Einschnitte bei den Sozialausgaben wühlen die Bevölkerungen auf. So stürzte im August ein Gewaltausbruch in London ganze Straßenzüge ins Chaos. Wohl lassen sich diese Unruhen nicht restlos als politischer Protest verbuchen. Doch die Ungerechtigkeit, den Urhebern der Krise zulasten ihrer Opfer aus der Klemme zu helfen, liegt mittlerweile für alle offen zutage. In den Vereinigten Staaten drückt sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung in der Occupy-Wall-Street-Bewegung aus. Sie zielt auf das lebendige, pulsierende Herz des Kapitalismus und drückt Wut über die Ungerechtigkeiten aus, die in seinem Namen begangen werden.

Der einzige moralische Rahmen, der dem Kapitalismus noch bleibt, ist einer, in dem ökologische und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Wohlstand für wenige, der mit Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit erkauft wird, ist keine Grundlage für eine zivilisierte Gesellschaft. Ein elementarer Fehler des Kapitalismus besteht darin, Bürger mit Konsumenten zu verwechseln und Wohlstand mit Einkommen. Auf einem endlichen Planeten ein gutes Leben zu führen kann weder darin bestehen, immer mehr Güter zu konsumieren, noch darin, immer mehr Schulden anzuhäufen. Denn wenn der Begriff des Wohlstands irgendeinen Sinn haben soll, dann muss er auf die Qualität unseres Lebens und unserer Beziehungen zu anderen Menschen zielen, auf die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft unserer Gemeinschaften sowie auf unser Gefühl dafür, was uns individuell und kollektiv etwas bedeutet.

Wohlstand, Prosperität, Gedeihen – all dies hat mit Hoffnung zu tun, Hoffnung für die Zukunft, für unsere Kinder, für uns selbst. Diese Hoffnung aufrechtzuerhalten bleibt eine Aufgabe, die alle Mühen wert ist. Der Kapitalismus muss sich an sie anpassen. Oder untergehen.

Aus dem Englischen von Michael Adrian