Die massiven Anstrengungen im Kampf gegen die Malaria , so scheint es, bringen den ersehnten Erfolg. Mitte Oktober verkündete der Global Fund, dass in den vergangenen zehn Jahren 830.000 Menschen vor dem Tod durch Malaria bewahrt werden konnten. Aus sieben Ländern ist das tödliche Wechselfieber bereits verschwunden, und weitere neun werden bald malariafrei sein.

Angefacht wurde die Jubelstimmung vergangene Woche, als das Fachblatt New England Journal of Medicine die Ergebnisse einer Impfstudie gegen Malaria publizierte. Der Infektiologe Peter Kremsner war mit dem Albert Schweitzer Hospital in Gabun maßgeblich an der Studie beteiligt. "Es ist ein Durchbruch und ein Meilenstein in der Malariaforschung, wie es ihn in den letzten zehn, vielleicht 30 Jahren nicht gegeben hat", sagt der Arzt vom Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen. An dem Versuch hatten 6.000 Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Monaten teilgenommen. Die Impfung halbierte die Zahl von Malaria-Ansteckungen und reduzierte die Häufigkeit schwerer Malaria-Anfälle um ein Drittel.

Der vom britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) hergestellte Impfstoff RTS,S konnte offenbar das Eindringen von Sporozoiten des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum in die Zellen des Menschen verhindern. Da diese Resultate bereits aus einer Zulassungsstudie (Phase III) stammen, könnte in ein paar Jahren ein entsprechendes Produkt auf den Markt kommen. "Lange hat man geglaubt, aufgrund der Komplexität des Parasiten würde das gar nicht möglich sein", sagt Kremsner, "aber es scheint doch zu funktionieren."

Ein funktionierender Impfstoff gegen Malaria wäre hoch willkommen. Denn obwohl der Global Fund und die Hilfsorganisationen Path und Gavi viele Erfolge vermelden konnten, gab es inzwischen auch einige herbe Rückschläge. Immer wieder entstehen Resistenzen. Gegen die Insektizide in den Moskitonetzen sind Moskitos zunehmend immun, und der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum zeigt Resistenzen gegen die medikamentöse Wunderwaffe Artemisinin . Sollte sich diese Entwicklung beschleunigen, könnte die Zahl der Malaria-Toten bald wieder steigen.

Ist der Impfstoff der Ausweg aus der Misere? An den Kosten sollte es diesmal nicht scheitern. GSK will die Vakzine zum Selbstkostenpreis abgeben – mit einem kleinen Aufschlag für weitere Forschungen. Doch noch ist nicht sicher, wie lange die Impfwirkung anhält. In einigen Fällen traten Nebenwirkungen wie Krampfanfälle auf. Selbst Peter Kremsner hat Zweifel, ob der Durchbruch für eine malariafreie Welt mit RTS,S schon erreicht ist. "Es ist der Ausgangspunkt für etwas", sagt er, "das jetzt nur noch besser werden kann."

Das wichtigste Problem ist indes die geringe Wirksamkeit des Impfstoffs. Ein Geimpfter darf nicht auf Tabletten und Moskitonetze verzichten. Tut er es doch, läuft er Gefahr, sich zu infizieren. Diese Botschaft wird in den betroffenen Regionen schwer zu vermitteln sein. So bleibt die zentrale Herausforderung weiterhin akut: Malaria ist eine Armutserkrankung. Wer die Krankheit überwinden will, muss auf Dauer für ökonomischen Aufschwung sorgen.