Im konkreten Fall hat diese Regel dramatische Folgen: Weil die FMS dem Staat gehört, sind die Schulden der Bank auch die Schulden des Staates . Der Anstieg der Bankverbindlichkeiten führte also zu einem Anstieg der Staatsverschuldung. Die im gleichen Umfang gestiegenen Bankforderungen wurden nicht berücksichtigt. Weil durch die Korrekturen die Bankschulden sinken, nehmen nun auch die Staatsschulden ab. Zugleich schrumpft aber auch das Staatsvermögen. Es sieht deshalb nur so aus, als gehe es den Deutschen besser. "Wir haben keineswegs mehr Geld. Die ökonomischen Folgen sind gering", heißt es in Statistikkreisen.

Der Vertrauensschaden ist allerdings enorm. Was, wenn sich die Fachleute an einer heikleren Stelle vertun? So wie im Fall der Staatsbank KfW, die Lehman Brothers mehr als 300 Millionen Euro überwies, als das US-Investmenthaus längst pleite war? Die Frage ist dringender denn je, ist der Bund doch tief in das Bankgeschäft verstrickt. Er nennt nicht nur die Schrottbank der früheren HRE sein Eigen, sondern auch das Abwicklungsinstitut der WestLB mit einem Portfolio von aktuell 56,5 Milliarden Euro. In Summe heißt das: Staatsanleihen aus Südeuropa, Immobilienkredite aus den USA, Derivate aus der ganzen Welt – all das befindet sich in Bundesbesitz.

Auch bei der Aufsicht über andere Banken wurden als Antwort auf die Finanzkrise die Befugnisse der Behörden ausgeweitet. Sie dürfen strenger kontrollieren und früher eingreifen, sie können das Management feuern und das Geschäftsmodell prüfen. Die Deutschen drängen darauf, dass auf dem am heutigen Donnerstag beginnenden Gipfel der G20 neben den Banken auch Hedgefonds und andere bisher unregulierte Finanzunternehmen unter staatliche Aufsicht gestellt werden.

Noch immer aber tun sich die Bankenkontrolleure schwer, das Personal zu bekommen, das sie brauchen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Die Top-Leute arbeiten lieber für die Banken, wo sie erheblich mehr Geld verdienen.

Im Finanzministerium sind eine Handvoll Leute seit Jahren permanent im Kriseneinsatz, ohne gehaltsmäßig mit Investmentbankern auch nur im Ansatz mithalten zu können. Jochen Sanio, der derzeitige Chef der Finanzaufsicht BaFin und damit der oberste Bankenkontrolleur des Landes, kommt gerade einmal auf rund 130.000 Euro im Jahr. Selbst der Präsident des Sparkassenverbands verdient ein Mehrfaches, vom Chef der Deutschen Bank ganz zu schweigen. Sanios designierte Nachfolgerin, die Versicherungsmanagerin Elke König, soll ein höheres Gehalt bekommen, doch die nötigen Gesetzesänderungen sind problematisch. Sanio ist deshalb immer noch im Amt, obwohl er sich längst zurückziehen wollte.

Bändigt die Banken, das rufen die Bürger den Politikern ein ums andere Mal zu. Erst einmal kostet das aber Geld.

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