Quincy Delight Jones jr., 1933 in Chicago geboren, gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Der amerikanische »Rolling Stone« hat ihm den Ehrentitel »Pate der schwarzen Musik« verliehen, obwohl sein Einfluss viel weiter reicht. Bereits als Schuljunge war er mit Ray Charles befreundet. Als ausgebildeter Trompeter hat er mit Charlie Parker und Lionel Hampton gespielt. Sein Ruf gründet aber vor allem auf seiner Tätigkeit als Komponist, Arrangeur und Produzent so unterschiedlicher Künstler wie Charles Aznavour, George Benson und Frank Sinatra. Endgültig zu einem Popstar gemacht hat ihn in den Achtzigern die Produktion der drei klassischen Michael-Jackson-Alben »Off The Wall«, »Thriller« und »Bad«. Jones, der sich als »Multimedia-Künstler« sieht, hat aber auch für Film und Fernsehen komponiert und einer Schule, dem Quincy Jones Performance Center in Seattle, seinen Namen gegeben. Einen Überblick über seine Aktivitäten bietet der Band »Quincy Jones. Mein Leben – meine Leidenschaften« (Edel 2011, 175 Seiten, 24,95 €). Wir treffen den Ruhelosen am Genfer See, im Salon Rotary des Montreux Palace, wo er residiert, wenn er seinem, je nach Zählung, Viert- oder Fünftjob als Talentförderer und Mitorganisator des Montreux Jazz Festival nachgeht. Zum Interview erscheint er in einer verschärften Variante des internationalen Golfhotel-Looks mit blauem Blazer, Segeltuchschuhen und Hut.

DIE ZEIT: Netter Hut.

Quincy Jones: Ich mag ihn. Ein Zuhälterhütchen.

ZEIT: So einen ähnlichen hatte Michael Jackson.

Jones: Das soll wohl ein Witz sein. Dieses Modell gab es bereits in den Dreißigern in Chicago, wo ich zur Welt kam. Getragen haben es Gangster.

ZEIT: Mit solchen Nieten an der Seite?

Jones: Mit allem Drum und Dran. Weit geschnittene Anzüge, Schuhe aus Alligatorleder, Diamanten im Zahn, alles schon da. Wir bewegen uns im Kreis, auch musikalisch. Bereits Count Basie hatte diesen Rhythmus, immer four to the floor, in den Siebzigern hieß das Gleiche dann Disco. Die Namen wechseln, but it’s the same old shit!

ZEIT: Sie wollten selbst einmal Gangster werden.

Jones: In den Dreißigern herrschten in Chicago Banden. Als Kind orientiert man sich an dem, was man kennt, und wir kannten nichts anderes. Es war die Zeit von Al Capone und seiner Gang, smarte, millionenschwere Jungs. Aber auf die schwarzen Gangs, für die mein Vater als Tischler arbeitete, waren sie nicht gut zu sprechen, sie trieben sie aus der Stadt. So kam ich mit meiner Familie 1943 in den Nordwesten, nach Seattle. Das war mein Glück.

ZEIT: Können Sie sich an Ihre erste Begegnung mit der Musik erinnern?

Jones: Ganz genau sogar. Mein Bruder Lloyd und mein Stiefbruder, wir klauten damals alles, was wir kriegen konnten. Eines Nachts brachen wir in eine Waffenfabrik ein, weil wir etwas von einer Lieferung Eiscreme gehört hatten. Beim Durchsuchen der Räume stand da im Dunkeln plötzlich ein Piano. Ich wollte die Tür zuerst wieder zumachen, aber dann hab ich es berührt. In dem Moment wusste ich, was ich den Rest meines Lebens tun würde.

ZEIT: Das klingt fast nach einer Bekehrung.

Jones: Ja, die Musik hat mich schwer getroffen.