Berner, den das manager-magazin immerhin auf 700 Millionen Euro Vermögen taxiert, hat andere Erfolge vorzuweisen. Im Gegensatz zu Würth ist er ohne Kurzarbeit durch die Krise gekommen. Das habe ihn viel Geld gekostet, sagt der Patriarch, "aber vom Image war es unbezahlbar". Damals hat Würth ihn angerufen und gefragt, warum er keine Kurzarbeit machen lasse. Berner entgegnete, er schaffe es eben auch ohne. Wenig später wurde auch bei Würth wieder Vollzeit gearbeitet. Konkurrenz befördert bisweilen auch die soziale Einstellung.

Um Würths Ansehen in der Öffentlichkeit ist es nicht zum Besten bestellt. Da war die Geschichte mit seiner schätzungsweise 100 Millionen Euro teuren Jacht, deren Auslieferung in die Zeit der Krise und Kurzarbeit fiel. Und da war auch eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Zuletzt erregte Würth Aufsehen, weil er für ein Kunstwerk, die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein, mehr als 40 Millionen Euro ausgab und im Bieterkampf das Städel Museum in Frankfurt ausstach – was in dieser Zeitung als "ein fürchterlicher Fall von Kunstgier" gewertet wurde.

Dabei lässt sich in jedem der Fälle manches zugunsten von Würth anführen. Die Jacht hatte er schon vor Jahren bestellt, ihre Auslieferung zur Krisenzeit war Zufall. Es handelte sich nicht um eine private Steuerhinterziehung, sondern um die Frage von Kostenverrechnungen in einem internationalen Konzern, der ständigen Betriebsprüfungen unterliegt. Und Gier scheidet als Motiv wohl aus bei einem Mann, der in den fraglichen Jahren Dutzende Millionen gestiftet und gespendet hat, der in Künzelsau eine Hochschule und eine Freie Schule fördert und ein Hotel betreibt, das Arbeitsplätze für Behinderte bereitstellt. Schließlich: Er wird die Holbein-Madonna künftig in seinem Altmeistermuseum in Schwäbisch Hall zeigen, welches sich in einer säkularisierten Kirche befindet und über das die Süddeutsche Zeitung schrieb: "Überzeugender und schöner als in diesem wiedergewonnenen mittelalterlichen Kultraum kann man Werke der Zeit wohl kaum präsentieren."

Meine Jacht, mein Jet, meine Kunstsammlung

Andererseits ist ein gewisser Geltungsdrang bei Würth nicht zu übersehen. In Künzelsau gibt es die Reinhold-Würth-Hochschule, einen Ableger der Hochschule Heilbronn, der von seiner Stiftung zehn Millionen Euro bekommen hat. Es gibt eine Reinhold-Würth-Grundschule, eine Reinhold-Würth-Straße. Würth hat neben der Kunst und der Jacht auch einen Privatjet, den er selbst fliegt. "Zwei meiner Fliegerärzte habe ich schon überlebt", sagt er.

Ja, ja, er sei ehrgeizig, räumt er ein, "aber nicht übertrieben". Sonst wäre er doch neulich kaum für drei Monate an der Westküste Südamerikas entlanggeschippert. Wenig später lässt er aber doch durchblicken, dass der Trip Urlaubs- und Dienstreise in einem war. "Ich hab meine südamerikanischen Firmen besucht und a bissl Dampf neigeblasen."

Gerhard Sturm ist aus einem ganz anderen Holz. Er muss immer still in sich hineinlachen, wenn er den Reinhold Würth bei einem ihrer Zusammentreffen mal wieder einen seiner Sätze mit der Formulierung beginnen hört: "Ich möchte in aller Bescheidenheit sagen...". Er hält den Unternehmerkollegen bei allem Respekt für süchtig nach Größe.

Sturm ist in vielem das Gegenbild von Würth. Kein Händler, sondern ein Techniker und Ingenieur. Er fährt mit einem Audi durch die Gegend, sein größter Luxus ist ein Haus am Gardasee. Sturms Eitelkeit liegt unter Normalniveau. Nicht einmal die Firma, die er an die Weltspitze geführt hat, trägt seinen Namen.

Wie Berner und Würth hat auch Sturm kein Abitur und nie studiert. Er begann mit einer Lehre als Maschinenschlosser. An der Ingenieurschule fiel er durch die Aufnahmeprüfung. Dafür fand er in Heinz Ziehl, einem Künzelsauer Elektrounternehmer, bei dem er sich um ein Praktikum beworben hatte, einen Mentor, der sein Potenzial erkannte.

Es dauerte nicht lange, bis Sturm Technischer Leiter bei Ziehl-Abegg war. Nebenher tüftelte er an einem neuartigen Motor für kleine Ventilatoren, einem sogenannten Außenläufer. Aber die Firma wollte in dieses Segment nicht einsteigen, auch weil die beiden Brüder, denen das Unternehmen gehörte, zerstritten waren. Und so gründete Sturm 1963 mit 28 Jahren sein eigenes Unternehmen, die Elektrobau Mulfingen (ebm). Er lieh sich Geld von seinem Bruder und bekam Maschinen und auch Kapital von seinem alten Arbeitgeber.