Berner will, irgendwann in den nächsten Jahren, seinen 27-jährigen Sohn Christian an der Spitze des Aufsichtsrats sehen. Der schreibt gerade an seiner Doktorarbeit. Schon heute gehören der Sohn und eine Tochter dem Kontrollgremium an. Der Sohn soll zwei Drittel des Unternehmens erben, die Tochter ein Drittel. Die ungleichen Erbteile will der Vater aus dem Privatvermögen ausgleichen. Die Übertragungen hat er, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen, größtenteils schon vollzogen. Seine Frau und er verfügen noch über 26 Prozent. Zwei Kinder aus seiner ersten Ehe hat Berner früher ausbezahlt.

Dass das Unternehmen nur vier Familienmitgliedern gehört, ist ohne Zweifel eine beachtliche Konzentration von Reichtum. Es bedeutet aber auch Stabilität. Welcher Aktionär würde sich damit zufriedengeben, dass nicht mehr als zehn Prozent des Gewinns an die Eigentümer ausgeschüttet werden, dass 90 Prozent immer wieder neu in das Unternehmen investiert werden?

Reinhold Würth ist bei seiner Nachfolgeregelung noch weiter, er hat schon mit 40 Jahren angefangen, darüber nachzudenken. Den Vorsitz im Beirat hat er seiner Tochter Bettina überlassen. Der Konzern gehört heute vier Familienstiftungen. "Damit halte ich das Unternehmen aus allen Unwägbarkeiten heraus", sagt Würth. "Die Mitarbeiter wissen: Wenn ich sterbe, passiert eigentlich gar nichts."

Sturm hat anders als seine Schulkameraden niemals den Gedanken gehabt, eine Unternehmerdynastie zu begründen. "Vielleicht bin ich da zu bodenständig", sagt er. Er ist auf jeden Fall ein Mann, der sich selbst nicht sonderlich wichtig nimmt. Freimütig erzählt er, dass er Thriller von Ludlum lese. Und bei Leibniz nicht alles verstehe.

Ist es nun ein biografischer Zufall, dass aus einer Schulklasse drei Ausnahmeunternehmer hevorgingen? Sturm kontert: "Na ja, eine Gesetzmäßigkeit ist es jedenfalls nicht." Aber andere Mitschüler hätten es ja auch zu etwas gebracht. Klaus Ziegler zum Beispiel. Der machte aus einem Siemens-Geschäftsbereich den europäischen Marktführer für elektronische Komponenten und leitet heute noch den Aufsichtsrat von Epcos.

"Geprägt hat uns alle der Krieg", sagt Sturm. "Wir haben alles entbehrt, was Kinder sonst so hatten. Das war die Triebfeder."

Bei Berner hört sich das ähnlich an: "Ich hatte jahrelang Angst, dass ich etwas falsch mache und wieder dahin zurückmuss, wo ich herkomme."

Würth meint, es hänge irgendwie mit der Region zusammen, aus der die drei stammten, und damit, dass große Erfolge hier, jedenfalls seit der Wirtschaftswunderzeit, der Normalzustand seien.

Heute prosperiert die Region. Künzelsau ist zwar seit 1979 nicht mehr ans Bahnnetz angeschlossen, die Stadt hat aber bei 15.000 Einwohnern nicht weniger als 12.000 Arbeitsplätze zu bieten.

Die drei größten Unternehmer haben außer einer gemeinsamen Schulzeit, Fleiß und Aufstiegswillen nicht allzu viel miteinander gemein. Wirkt bei ihnen die protestantische Ethik, die Max Weber im Geist des Kapitalismus wirken sah? Allenfalls im übertragenen Sinne. Sturm ist katholisch, Würth neuapostolisch und Berner aus der Kirche ausgetreten.

Und fragt man sie nach einer wichtigen Eigenschaft, der sie ihren übergroßen Erfolg verdanken könnten, nennt Würth "Neugierde". Berner sagt "Verlässlichkeit". Und Sturm, der kreative Tüftler, führt lieber seinen frühen Förderer ins Feld: "Ihm habe ich das zu verdanken."