Wenn Ralf Krewer in sein Büro geht, sieht er die ganze Welt. Chinesinnen, die sich ihre Nasen haben vergrößern lassen. Diabetiker aus Mexiko, unterwegs zur Therapie. Inderinnen, die mit Gipsarm umherschlendern. In den Fluren des Bangkok Hospital, Krewers Arbeitsplatz, halten sich Menschen von allen Kontinenten auf. 40 Prozent der Patienten hier sind Ausländer – Gesundheitstouristen.

Die Privatklinik in der thailändischen Hauptstadt profitiert vom chronisch kranken Gesundheitswesen anderer Länder, vor allem von den steigenden Behandlungskosten in den Industriestaaten. In Bangkok gibt es Bypässe, künstliche Befruchtungen, neue Gelenke – fast alles ist machbar, fast immer ohne Wartezeit und sogar inklusive Visabeschaffung. Im Durchschnitt bezahle ein Patient hier für einen Eingriff etwa ein Drittel dessen, was er in Europa kosten würde, heißt es im Krankenhaus. Niedrige Gehälter, die beim Pflegepersonal bei 200 Euro monatlich liegen, machen es möglich.

Wie ein Hotel mit kranken Gästen

Von typischer Krankenhausatmosphäre keine Spur: Wer das Bangkok Hospital betritt, fühlt sich wie in der Lobby eines Fünfsternehotels. Junge Frauen in eleganten Uniformen begrüßen die Ankömmlinge. Ein Starbucks-Café bietet Getränke an. 200 Dolmetscher übersetzen in 26 Sprachen, täglich gibt es Jazz- oder Klassikkonzerte. Neben der Medikamentenausgabe steht ein schwarzer Flügel. Ist das nicht etwas übertrieben? "Unsere Patienten sollen sich wohlfühlen", antwortet Detlef Burckhardt aus der Marketingabteilung.

Auf der Jagd nach neuen Patienten ist der PR-Manager Krewer unaufhörlich unterwegs. Gerade war er in Berlin, anschließend in London, Barcelona und Dubai – jetzt ist er für einen Tag in Bangkok, um dann auf die Malediven zu fliegen. "Selbst wir wissen nicht immer genau, wo sich unser Chef gerade aufhält", sagt eine seiner Mitarbeiterinnen.

Der Mann, der Gesundheit zu einem globalen Produkt machen will, vibriert förmlich, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Sein Lieblingsthema: der globale Patient und die Entwicklungen des Medizintourismus . Der 45-Jährige aus Trier hat Verträge mit 1.200 internationalen Krankenversicherungen für das Bangkok Hospital abgeschlossen. Seit 2000 arbeitet er in Thailand, doch seine Familie ist nicht immer erfreut über sein Stundenpensum. Aber es gibt Möglichkeiten über Möglichkeiten, und überall sind Menschen, die Krewer in das Hospital locken möchte.