Wer sich für Deutschlands stillste Aufsteiger interessiert, der sollte einmal in Geesthacht vorbeischauen. In der Kleinstadt an der Elbe, von Hamburg aus rund 30 Kilometer flussaufwärts, kann man sie täglich beobachten: große und kleine, dicke und dünne, sanfte und wilde – Fische. Unermüdlich schwimmen sie gegen die Strömung an. Ihr endgültiges Ziel aber werden viele nie erreichen, denn auf ihrer langen Wanderung von der Nordsee hinauf in ferne Bäche versperren ihnen zahllose Barrieren den Weg. Die meisten bleiben auf der Strecke.

In Geesthacht ist eine gewaltige Barriere durchlässig geworden, dank Europas größter und modernster Fischtreppe , einem 20 Millionen Euro teuren Bau mit Modellcharakter. Diese Aufstiegshilfe für wandernde Fische ist Teil einer wahren Herkulesaufgabe: Gemäß der Wasserrahmenrichtlinie der EU sollen unsere hochgradig kanalisierten, gedämmten und gestauten Gewässer wieder in einen "guten ökologischen Zustand" versetzt werden. Dazu gehört, Deutschlands Flüsse ihren wandernden Bewohnern wieder zugänglich zu machen. Milliarden wird das kosten. Allein der Bund will rund 700 Millionen Euro in Fischtreppen investieren, dabei sind die meisten Gewässer Ländersache. In Brandenburg oder Bayern etwa beeinträchtigen jeweils weit mehr als 10.000 Stauanlagen, Wasserkraft- und Schöpfwerke den Ökozustand.

In Geesthacht ermöglicht die Fischtreppe Flossenträgern aller Art wieder den Übergang in die mittlere Elbe. Ein altes Wehr staut hier die Tideelbe, die bei Ebbe meerwärts und bei Flut landeinwärts fließt. Es hält den Pegel elbaufwärts viel konstanter, verbessert damit die Bundeswasserstraße, versperrt aber gleichzeitig Fernschwimmern den Weg. Abhilfe schafft seit einem Jahr eine Abfolge von 45 großen Wasserbecken. Sie sind zusammen mehr als einen halben Kilometer lang. Ihr gewundener Verlauf erinnert an die Serpentinen einer Bergstraße. Jedes Becken bildet eine Treppenstufe und ist mit dem jeweils nächsten durch Öffnungen verbunden, durch die Wasser strömt.