ZEITmagazin: Sie sagten einmal, Lachen sei das Beste, um gruselige Dinge auszuhalten.

Nöstlinger: Ich habe mich oft gewundert, dass ich in manchen Situationen tatsächlich noch lachen kann. Das geht sogar im Bombenkeller, fast alles hat ja eine komische Seite. Aber natürlich kann ich nicht über alles lachen, über meine Krankheit etwa oder die meines Mannes. Andererseits ist es völlig unmöglich, drei Jahre lang gar nicht zu lachen. Man kann ja gleichzeitig traurig sein.

ZEITmagazin: In welcher Lebensphase fiel Ihnen das Lachen besonders schwer?

Nöstlinger: Mit knapp 30 hatte ich zwei Kinder und saß zu Hause wie in einer Falle: Ich empfand es als schrecklich, keinen Beruf zu haben, aber ohne Kindergartenplatz konnte ich nicht arbeiten – und ohne Arbeit bekam man keinen Kindergartenplatz. Rückblickend muss ich wohl sagen: Ich war depressiv. Ich habe zum Beispiel lauter runde Fleckerln gehäkelt und dann weggeworfen.

ZEITmagazin: Wie fanden Sie aus der Depression heraus?

Nöstlinger: Irgendwann habe ich mich aufgerafft und überlegt, wie ich daheim Geld verdienen kann. Zeichnen hatte ich gelernt, also probierte ich halt ein Bilderbuch. Ich erfand noch eine Geschichte dazu und schickte es einem Verlag. Und der dortige Lektor hat es genommen! Das war meine Rettung, die wichtigste in meinem Leben. Ein zweites Mal hätte ich es nie versucht. Als das Buch erschien, Die feuerrote Friederike, bekam es in Deutschland einen Preis – aber nicht für die Bilder, sondern für die Geschichte. Ich war euphorisch, den Zipfel von irgendetwas erwischt zu haben, und dachte: Okay, wenn die meinen, dass ich schreiben kann, dann tue ich das. Nach dem zweiten Buch wurde es ein Beruf.

ZEITmagazin: Sie haben in Ihren Büchern keine heile Kinderwelt geschildert, sondern Dinge wie Eheprobleme und Scheidung.

Nöstlinger: Natürlich, Kinder leben ja auf derselben Welt wie die Erwachsenen. Ich habe mich erinnert, wie meine Kinderwut ausgeschaut hat, meine Kindertrauer, meine Kinderfreude, und das habe ich halt hingeschrieben. Ich wäre überhaupt nicht auf die Idee gekommen, die Welt für Kinder heil darzustellen. Da hätte ich ja lügen müssen.