Wochenmarkt: Jetzt eine Apfeltarte mit richtig guten Äpfeln

© Silvio Knezevic
Eckart Brandt ist ein Retter alter Apfelsorten. Im Apfelkuchen machen sie sich besser als die marktgängigen Äpfel von heute. Da darf das Rezept einfach sein. Von
Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 46/2011

Es ist nicht nur Nostalgie, wenn der Apfelkuchen, den einst die Großmutter backte, heute nachgebacken nicht mehr so gut schmeckt. Das liegt daran, dass viele Großmütter einen Apfelbaum im Garten hatten. Diese Äpfel waren anders als die marktgängigen Äpfel von heute. Äpfel, die in Supermärkten und in Bioläden zu kaufen sind, schmecken gut und süß, wenn man reinbeißt. Sie wurden als Reinbeißäpfel gezüchtet. Im Kuchen schmecken sie eher: lau, weich, zu süß, zu fad. Ein Apfelkuchenapfel ist nicht mehr im Angebot, mit einem bisschen guten Willen eignet sich vielleicht der Boskop.

Eckart Brandt hat Mitte der Achtziger, damals als eine Art Pionier, in Großenwörden bei Stade begonnen, alte Apfelsorten zu pflanzen. Mit seinem Bioverband hat er sich damals gar nicht gut verstanden: Der Verband wollte, dass er den beliebten Golden Delicious in der Biovariante anbaut. Nur so könne Bio zum Erfolg werden. Inzwischen ist der Wert der alten Apfelsorten unumstritten. Sie sollen gerettet werden, so weit sind sich alle einig, gleich nach dem Euro und dem Klima.

Aber wie rettet man die Äpfel? Selbst die Wochenmärkte haben kaum alte Sorten im Angebot. Man muss sich bei den Markthändlern durchfragen, vielleicht kennt einer einen Bauern. Wer so nicht weiterkommt, kann Eckart Brandts Äpfel im Internet bestellen, im Boomgarden-Shop, zu Bedingungen, wie sie Amazon-Kunden fürchten: zehn Euro Versandkosten. Sind ja schwer, die Äpfel. Jetzt, Mitte November, drängt sich eine Sorte namens Finkenwerder Herbstprinz auf. Vor ein paar Wochen wäre es noch die Sorte Jakob Lebel gewesen, die in einer zufälligen Umfrage am Apfelkuchenstand in Lemgo zum beliebtesten Apfelkuchenapfel gewählt wurde, erzählt Brandt.

Ist der Apfel gut, darf das Apfelkuchenrezept einfach sein. Wir backen eine Tarte mit einer Füllung aus Crème fraîche. Für den Mürbeteig alle Zutaten vermengen, dann pausiert der Teig eine halbe Sunde lang im Kühlschrank. Äpfel schälen, entkernen, in gleichmäßige Scheiben schneiden, auf den ausgerollten Teig schichten. Crème fraîche, Zucker, Eier verrühren, darübergeben. Bei 180 Grad 15 Minuten backen.

Neuerdings verkauft Brandt auch Apfelbäume. Läuft gut, das Geschäft. Heikel wird es nur, wenn er 70-jährigen Kunden erklärt, dass sie von einem Jungbaum möglicherweise nichts mehr haben. Aber vielleicht denken sie ja auch nur an ihre Enkel.

Apfeltarte

Für den Teig:
200 g Mehl
100 g Butter
60 g Zucker
etwas Salz
1 Eigelb

Für den Belag:
200 g Crème fraîche
2 Eier
40 g Zucker
4 bis 5 Äpfel

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

3,99 EUR für eine Handvoll Äpfel

Wie entfremdet ist die urbane Gesellschaft hier ?

Ich wohne in einem kleinen Dörfchen und rundherum fallen die Äpfel und Birnen in den Straßengraben weil es sich nicht mehr lohnt sie zu ernten.

Da ist natürlich kein Sortenschild à la "Oma Lischke's goldene Orange" oder ähnlicher Killefitt und schon gar kein Biosiegel draufgebeppt.

Die wachsen hier einfach an den Straßen und vergammeln.

Es ist ziemlich schade drum.

Eure Gourmet-Tortenäpfel können Sie aber natürlich weiter in der Apotheke kaufen.

Ihre unerreicht-leckere-Apfeltorte-Oma streicht ihren völlig verblödeten Enkelchen noch mal sanft durchs Haar.

dame.von.welt
#2.1  —  14. November 2011, 8:44 Uhr

Wer von nicht abgeernteten Bäume aller Art weiß

könnte sie auch bei http://www.mundraub.org/ eintragen. Das klappt dann sogar in der urbanen Gesellschaft gar nicht mal schlecht. Mein Wintervorrat Walnüsse stammen von einem solchen 'Allmende'-Baum - mitten in der Hauptstadt. Völlig gaga ist, wenn Bewohner kleiner Dörfer mit nicht abgeernteten Bäumen um sie herum in den großen Supermarkt auf der grünen Wiese fahren und dort ihre Äpfel (oder geschmacksfreie, aus Kalifornien importierte Walnüsse) einkaufen. Ähnlich gaga, wie es an so mancher Küste offenbar unmöglich ist, etwas anderes als Alaska-Seelachs im Restaurant bestellen zu können.

Von Eckart Brandt habe ich mal auf einem zufällig besuchten Markt Sternreinetten und Gewürzparmänen gekauft, beide Sorten geben dem Wort Apfel eine ganz andere Bedeutung. Er betreibt den Boomgarten auch nicht dazu, um irgendwem viel Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern um die genetische Vielfalt http://www.zeit.de/2004/3... von u.a. Äpfeln zu retten. Hier http://www.boomgarden.de/... finden sich diverse Markttermine im Norden.