Torsten Walz (Name geändert), Anfang 30, baute Ende der neunziger Jahre eine neonazistische Kameradschaft in Berlin auf, deren Mitglieder Migranten und Andersdenkende überfielen. Vor fünf Jahren stieg Walz aus der rechtsextremen Szene aus, seither gilt er bei seinen einstigen Gesinnungsgenossen als Verräter.

DIE ZEIT: Hat Sie die Nachricht vom Rechtsterror überrascht?

Torsten Walz: Nein. Seit Jahren zeigt die Szene, dass sie zu Gewalt bereit ist und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Jetzt fällt der Öffentlichkeit auf einmal auf, dass Neonazis gefährlich sind. Dabei gab es in diesem Jahr in Berlin mehrere Brandanschläge auf linke Einrichtungen. Das hatte aber kaum Konsequenzen. Die Übergänge zum Terrorismus sind fließend.

ZEIT: Haben Sie selbst auch solche Anschläge verübt?

Walz: Unser Konzept nannte sich "Raumkampf". Wir wollten Angsträume schaffen. Zeigen: Dieser Bezirk gehört uns! Also haben wir Migranten und Andersdenkende angegriffen. Nicht wahllos, sondern gezielt nach Demos oder beim Heimweg an der S-Bahn.

ZEIT: Wie weit waren Sie bereit zu gehen?

Walz: Auch ich habe Leuten mit Schlagwerkzeugen auf den Kopf geschlagen. Da muss man damit rechnen, dass es Tote gibt. Wenn ich gefragt werde, ob ich bereit gewesen wäre, jemanden umzubringen, muss ich ehrlich sagen: Ich weiß es nicht.

ZEIT: Haben Sie Gewalttaten systematisch geplant?

Walz: Gebäude wurden ausgespäht und dokumentiert, um sie später anzugreifen. Das nannten wir Chronik. Einmal hat ein Kamerad einen Brandanschlag auf eine Veranstaltung verübt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Unser Mann wurde wegen versuchten Mordes zu mehr als fünf Jahren verurteilt. Gewalt gehörte bei uns dazu.

ZEIT: Kannten Sie Pläne für Rechtsterror?

Walz: Einige haben rumgetönt, dass sie Waffen hätten und die auch einsetzen würden. Das waren Maulhelden mit revolutionären Fantasien von einer neuen SA. Aber da waren auch echte Revolutionäre, die ich noch heute als gefährlich einschätze. Denen reichte der Kampf auf der Straße nicht. Die wollten das System zerschlagen und Gegner eliminieren. Gewalt ist bei vielen akzeptiert, aber einigen traue ich zu, einen Schritt weiter zu gehen.

ZEIT: Wurde das offen diskutiert?

Walz: Nein, nur im kleinen Kreis. Dann ging es etwa um Brandanschläge auf Jugendklubs. Die Angst vor V-Leuten war groß. Die gefährlichen Leute verhielten sich konspirativ.

ZEIT: Waren Sie bewaffnet?