Seit dem 10. März  versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf  andere Art wahrzunehmen.  Elf Lyrikerinnen und Lyriker  verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie  unabhängig von den  Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische  Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht  gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der  Ereignisse, wie wir sie seit  Anfang dieses Jahres  erleben. Die Gedichte  wurden dabei häufig sehr aktuell, einige am Tag nach  politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen  verfasst. Diese Woche  beschäftigt sich Daniela Danz mit dem Mord an dem kosovarischen  Kronzeugen Agim Zogaj.

Daniela Danz: Zeuge X

Der Tod im Park ist was du hältst
für Laub oktoberbraun
und wie drapiert von denen
die wir vor zwölf Jahren zärtlich
die Rebellen nannten

eingewickelt in die eigenen Sorgen
gehen wir auf den gerechten Wegen
Europa melancholisch das ist
wo die Winterlinge blühen

und sag noch einmal so wie damals
Himmelsschlüssel schöne Worte wie
Menschenrechte ethische Verpflichtung
und das schönste: Zeugenschutzprogramm

das ist kein Laub ein böser Traum
in den wir ritten
Zwiebeln unter ihm Narzissen bald
Tyrannenmord – feiern wir die Feste
wie sie fallen und nennen wir
die Pflänzchen wie sie kommen