Alleingelassen von den Arabern. Das ist eine neue Erfahrung für Baschar al-Assad im Konflikt mit dem eigenen Volk. Der syrische Herrscher muss ohnmächtig zuschauen, wie die Arabische Liga in Kairo seine Gesandten von jeder Mitarbeit ausschließt . In blinder Rage lässt Assad bestellte Schläger auf die Botschaften von Qatar, Saudi-Arabien und der Türkei los – wie damals auf die dänische Vertretung im Karikaturenstreit 2006. In der syrischen Provinz schießt die Armee weiter Demonstranten nieder, 70 Tote allein zu Wochenbeginn. Es wird eng für Assad. Ein Weg zu seinem Ende zeichnet sich ab. Die internationale Isolierung nimmt dem Herrscher die Luft zum Überleben.

Hier ist die gute Nachricht für alle seine Gegner: Im Arabischen Frühling erfindet sich die Arabische Liga neu. Was früher ein impotenter Verein zerstrittener Potentaten war, wird ein arabischer Marktplatz, auf dem tatsächlich etwas entschieden wird. Das war schon bei Gadhafi der Fall, als die Arabische Liga die Flugverbotszone über Libyen unterstützte – und damit die Intervention des Westens in einem arabischen Land.

Der Ausschluss Syriens kam jetzt zustande auf Drängen von Saudi-Arabien und der kleinen Diplomatiegroßmacht Qatar. Doch am Ende zogen fast alle mit, selbst die zögerlichen Algerier und Sudanesen. Zu peinlich wird der Rachefeldzug von Assads Schergen gegen das syrische Volk , zu empörend sind die täglichen Schießereien aus Sicht der arabischen Massen. Die seit Beginn der Revolution gewachsene Bedeutung der öffentlichen Meinung erschwert die alte arabisch-autoritäre Doppelmoral. Man schweigt nicht länger über die Untaten der Nachbarn, während man Israels Palästinapolitik verurteilt. Heute werden alle angeprangert.

Für Baschar al-Assad ist das keine einfache diplomatische Niederlage. Die Arabische Liga nimmt ihm die Legitimation, bedroht seine Herrschaft. Die ruht nebst Geheimdienstohren, Panzerrohren und Israel-Feindschaft auch auf dem Nimbus, Herzland der arabischen Welt zu sein. Syrien – Mittelmeerstaat und Wüstenland zugleich, Damaskus als Heimstatt der Ummajaden-Moschee und großer arabischer Herrscher wie Saladin, umgeben von Kairo und Teheran, Istanbul und Riad. Assad als großer Panarabist. Syrien tanzte mit allen, und die Bevölkerung erwartete das auch von ihren Herrschern. Der allarabische Anspruch des Regimes ist nun erschüttert. So erging es nicht einmal Baschars Vater Hafis al-Assad, als der 1982 die Stadt Hama nach einem Aufstand in Schutt und Asche legen ließ.

So allein wie heute war Syrien nie.