Von den Salzburger Festspielen sagen viele Beteiligte, sie seien das größte Kulturfestival der Welt. Von den Salzburger Festspielen sagen manche, die mit ihnen nichts oder nichts mehr zu tun haben, man könne dort nichts künstlerisch Wertvolles ausrichten. Salzburg sei "ein pervertiertes Sponsoren-Festival, inhaltlich völlig unbedeutend" – so spricht der ehemalige Direktor der Wiener Burg und jetzige Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler. In Salzburg habe man "Blei in den Schuhen", sagt der vorzeitig nach Berlin gewechselte ehemalige Festspielintendant Jürgen Flimm : "Ich wollte Innovation, Fantasie. Die nicht."

Wer einen Blick in die von Luxuslimousinen berstenden Felsengaragen der Stadt Salzburg wirft, ahnt die Probleme, die man als Künstler hier haben kann. Bachler hat es der Wiener Presse so gesagt: "Es sind zu viele Sachzwänge im Spiel, die ganz wenig mit Kunst und sehr viel mit einem beinharten Interessenausgleich zwischen Politik, Tourismus, Sponsoren und Philharmonikern zu tun haben." Nun hat in Salzburg ein neuer Intendant seine Pläne vorgelegt: Alexander Pereira, 1947 in Wien geborener Kulturmanager, ausgebildeter Sänger, langjähriger Opernchef in Zürich , wird das Festival noch größer, teurer, glamouröser machen. Künftig wird jede Saison eine einmalige, in allem Glanz erlöschende Sommersensation sein: Keine Produktion wird im kommenden Jahr wiederaufgenommen werden. Die Saison wird fünf Tage früher beginnen als bisher, eine konzertante Ouverture spirituelle wird sie einleiten – ein Festival für geistliche Musik in elf Konzerten (vom 20. Juli 2012 an). Und der neue Schauspielintendant Sven-Eric Bechtolf wird die Urfassung der Ariadne auf Naxos von Strauss mit einer von ihm selbst bearbeiteten Fassung des Bürgers als Edelmann (Molière) kombinieren.

Pereiras Etat wird um 5 Millionen Euro höher sein als der seines Vorgängers Markus Hinterhäuser und sich auf 57 Millionen belaufen. Wie kann das gutgehen? Pereira, in Zürich als begabter Aquisiteur von Sponsorengeld aufgefallen (5,4 Prozent von den aufgetriebenen Beträgen gehen an ihn selbst), hat einen zusätzlichen Hauptsponsor gewonnen (Rolex), er wird die Eintrittskarten teurer machen (die besten kosten nun 400 Euro), er wird die Hits des Opernbetriebs zum Auftakt spielen (eine Zauberflöte, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt, Bizets Carmen unter Simon Rattle, Puccinis La Bohème mit Anna Netrebko), und er wird Salzburg zum Ende der Saison das schenken, was es sich im Geheimen immer gewünscht hat: einen Opernball. Eintritt plus Dinner: 750 Euro. Eröffnung in langer Salzburger Tracht. Pereiras Appell im Festspielprogramm sei hier an unsere Leser weitergegeben: "Bitte tragen Sie sich den 1. September 2012 als Pflichttermin in Ihren Kalender ein!"

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio