ZEIT: Wie gut kennt Ihr Professor Sie?

Prescher: Wir treffen die Professoren auf den Einführungsveranstaltungen, in den Videokonferenzen und bei den Präsenzphasen. Dort reden wir auch miteinander. Außerdem gibt es ein Betreuerteam, das zwischen Professor und Studierenden vermittelt. Die kennen jeden Einzelnen und merken schnell, wenn die Leistungen nachlassen. Dann fragen sie auch nach. Als ich schwanger wurde, konnte ich nicht mehr so lange am Rechner sitzen. Damit ich kein Semester aussetzen musste, wurde ich von den Abgabefristen entbunden und durfte mich bei den Videokonferenzen auch mal auf den Boden legen, Beine hoch. Das ist schon ein sehr kinderfreundliches Studium, das sagen auch viele meiner Kommilitoninnen. Ich sehe sie zwar selten, aber wir sind inzwischen alle in Sozialen Netzwerken miteinander verbunden. So bekomme ich auch immer mit, was im Leben der anderen passiert, wir halten uns alle auf dem Laufenden. Wenn ich eine Frage habe, stelle ich die online. Meist kennt jemand die Antwort. Und wenn nicht, dann kann ich per Telefon, E-Mail oder im Chat das Betreuerteam kontaktieren. Als letzte Instanz wird die Frage an den Professor weitergeleitet. Der sollte dann innerhalb von 48 Stunden eine Antwort schicken, aber wie an jeder anderen Uni auch hält der sich nicht unbedingt daran.

ZEIT: Wie laufen die Prüfungen ab?

Prescher: Weil die meisten Studierenden nicht hier am Studienort wohnen, müssen für die zweiwöchige Prüfungsphase alle Studenten anreisen. Die Prüfung läuft dann so ab wie in jedem Präsenzstudium: Wir kommen in den Hörsaal, wir kriegen Stift und Papier und die Aufgaben.

ZEIT: Woher kommt Ihre Motivation?

Prescher: Ganz einfach über Lernerfolg. Wenn es mir gelingt, etwas Neues zu verstehen, dann motiviert mich das. Wenn der Prof gut ist, dann komme ich manchmal auch richtig beschwingt aus den Videokonferenzen heraus. Umgekehrt kann es mich natürlich auch demotivieren, wenn es nicht gut läuft. Wenn das mal einen Tag lang so ist, ist das nicht weiter schlimm. Wenn ich aber zwei Wochen lang nichts tue, dann hinke ich mit dem Stoff sehr hinterher. Man braucht schon viel Fleiß und Selbstdisziplin.

ZEIT: Wie planen Sie Ihre Zeit?

Prescher: Ich bin zu einem gewissen Grad sehr flexibel. Ungefähr 80 Prozent sind Selbststudium. Aber es gibt eben doch einige Termine, die ich einhalten muss. Dazu gehören die Präsenzphasen an der Hochschule, die Prüfungen und auch die Videokonferenzen. Es werden aber immer zwei Termine angeboten, einer vormittags, einer abends. Ich führe einen detaillierten Kalender: Was mache ich morgen? Was mache ich nächste Woche? Meinen Job bringe ich da auch unter, und für die Familie muss Zeit bleiben. Hobbys habe ich keine mehr, seit ich studiere.

ZEIT: Geht das gleichzeitig, studieren und Kinder haben?

Prescher: In der einen Hand die Einkaufstüte, auf dem anderen Arm das Kind, gleichzeitig mit dem Job beschäftigt und dann ganz nebenbei noch Formeln pauken, das geht natürlich nicht. Einmal hatte ich bei der Videokonferenz mit dem Professor meinen Sohn auf dem Schoss. Der Kleine hat wie wild in die Tasten gehauen. Mein Studium ist zwar sehr kinderfreundlich, weil es flexibel ist. Aber ich kann trotzdem nur dann lernen, wenn die Kinder nicht im gleichen Raum sind. Ich studiere zwar zu Hause, aber das ist genauso ernsthaft wie das Studieren an der Uni, das muss auch die Familie begreifen, sonst wird man immer unterbrochen.

ZEIT: Wie teuer ist das Studium?

Prescher: Als Onlinestudentin spare ich mir die Studiengebühren. Trotzdem belaufen sich die Kosten bei mir auf circa 500 Euro pro Semester, weil die einzelnen Module Geld kosten. Wenn man für die Präsenzphasen auch noch anreisen muss, wird es natürlich noch teurer.

ZEIT: Was wollen Sie mit dem Abschluss erreichen?

Prescher: Ich würde gerne an der Hochschule in der Wissenschaftsorganisation weiterarbeiten. Im Moment mache ich das neben dem Studium in Teilzeit. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, an mein Bachelorstudium auch noch einen Master anzuschließen. Vielleicht sogar eine Promotion. Aber ich will nicht mit hundert anderen Studenten im Hörsaal sitzen und einem Professor zuhören. Ich bin effektiver, wenn ich allein lerne. Deswegen kommt für mich auch in Zukunft nur ein Fernstudium infrage.