4. Der Schulfrieden ist da, und das Geld ist nicht weg

Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass die Schulstruktur für die Leistung nicht so wichtig ist. Das entkrampfte die in Deutschland erbittert geführte Debatte (Gesamtschule versus gegliedertes System). Zunehmend setzt sich in Deutschland als Kompromiss ein Schulsystem durch, in dem das Gymnasium erhalten bleibt und daneben eine weitere Schulform existiert , die gute Schüler auch zum Abitur führt. In Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen haben die Parteien regelrecht Frieden geschlossen, um den Streit über die Schulstruktur aus den Wahlkämpfen herauszuhalten. Damit kann das Vertrauen der Eltern in die Schule wachsen.

Vermutlich hätte es ohne den Paukenschlag der Pisa-Studie weitreichende Kürzungen auch in den Bildungshaushalten gegeben. Selbst die Berufsnörgler aus den Lehrerverbänden und -gewerkschaften freuen sich deshalb in stillen Stunden über die Studie. Die Bildungskürzungen sind bislang moderat ausgefallen, was einem leichten Plus entspricht, weil die Schülerzahl zurückgeht. Grund zum Jubel ist das nicht, denn um international an die Spitze aufzuschließen, müsste viel mehr Geld investiert werden.

5. Deutschland reagierte hysterisch – zum Glück!

Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern hysterisch auf die erste Pisa-Studie reagiert. Zuvor glaubte man, bessere und gerechtere Schulen zu haben als andere Nationen. Und dann diese Blamage! Die deutschen Zeitungen berichteten ausführlich und nachhaltig über die Ergebnisse, während sie in Finnland oder Frankreich nur kurz notiert wurden.

Doch die Hysterie hat sich ausgezahlt. Andere blieben cooler – und stehen nun schlechter da. Schweden – lange ein Vorbild – baute ab, während wir zulegten. Inzwischen schneiden die deutschen Schüler in Mathematik und den Naturwissenschaften besser ab als ihre schwedischen Altersgenossen und haben in der Lesefähigkeit mit ihnen gleichgezogen. Auch Frankreich, Großbritannien und die USA sind im Vergleich zu Deutschland abgefallen.

6. Wiederentdeckt: Der Unterricht. Neu entdeckt: Die Frühförderung

Die festgefahrene deutsche Bildungsdebatte wurde durch Pisa und weitere Studien wieder flottgemacht. Eine wichtige Wiederentdeckung: Es kommt auf den Unterricht an und damit ganz wesentlich auf die Lehrer . Dass es an unseren Schulen ausgerechnet im Kerngeschäft hapert, kam für viele überraschend.

Als neue Erkenntnis hat sich durchgesetzt, dass die Weichen für die Bildungskarriere schon im Vorschulalter gestellt werden. Die Notwendigkeit, Kinder schon in der Familie, in der Krippe und im Kindergarten zu fördern und spielerisch zu bilden, wird von keinem mehr bestritten, wenn es auch mit der Umsetzung dieser Erkenntnis noch hapert.